Angeklagter gesteht Beteiligung und belastet Ex-Freund

Prozess zu Brandstiftung in Böddiger: Feuer wurde mit Deo-Dosen gelegt

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Scheune mit Strohballen brannte lichterloh: Die Feuerwehr versuchte in der Nacht zum 28. Januar 2016 mit 51 Einsatzkräften den Brand zu löschen.

Böddiger/Kassel. Ein ungewöhnlicher Notruf ging am 17. Januar um 4 Uhr bei der Polizei Melsungen ein. Mit verstellter Stimme stöhnte jemand: „Fick Dich, fick Dich.“

Das sagte der damals diensthabende Polizist vor dem Landgericht Kassel aus. Die Schutzmänner konnten schnell herausfinden, dass das Gespräch aus dem Kindergarten in Böddiger gekommen war. Als die Streife eintraf, qualmte es noch. Fußspuren im Schnee ließen sich bis an die Kirche verfolgen. Zum Täter führten sie allerdings nicht.

„Keine Ahnung, es war im Affekt“, sagte der 19-jährige Angeklagte auf die Frage des Vorsitzenden Richters Volker Mütze, was das mit dem „Fick Dich“ denn sollte. Es sei nicht sein Ziel gewesen, dass die Feuerwehr komme. Weil nichts Wertvolles gefunden worden war, hatte man das Feuer gelegt, um die Spuren zu verwischen. Nicht er, so der Angeklagte, sondern sein Ex-Freund habe das Feuer gelegt. Zehn Tage später habe dieser die Feldscheune mit Strohballen angezündet, die dem Freund seiner Schwester gehörte. Sein früherer Freund habe die Gartenhütte auf dem elterlichen Grundstück allein angesteckt. Alle Brände seien mit Hilfe von Deo-Spraydosen gelegt worden.

Bei der Polizei aber hatte der Angeklagte ausgesagt, er habe mit dem Brand der Scheune Erinnerungen vernichten wollen.

Der Richter fragte, was der Grund für die Brandstiftung gewesen sei. „Das müssen Sie P. fragen”, belastete er seinen Ex-Freund. Von dem habe er sich getrennt, weil er ihn nicht im Gefängnis besucht habe. Der habe die Idee gehabt, in den Kindergarten einzubrechen, weil dort etwas zu holen sei. Der Richter fragte nach der Motivation der Brandstiftungen. Der Beschuldigte: „Der Kick. Es ist halt nicht normal.“ Zwei Mülltonnen, so der 19-Jährige, habe er angezündet und versucht, auch das Auto eines Nachbarn in Brand zu setzen, weil ihm sein Freund vorgeworfen habe, nicht „die Eier dazu in der Hose zu haben.“

Er wurde festgenommen, nachdem er am 22. Februar die elterliche Hütte angezündet hatte, die schon einmal gebrannt hatte. Der Richter zeigte das Video einer Wildkamera, und der Angeklagte sagte: „Dass ich das bin, ist zweifelsfrei.“

Der Richter zeigte auch einen Fernseh-Bericht vom 18. Februar, in dem der Angeklagte - noch auf freiem Fuß - angesichts des Brandes am Elternhaus von Panik gesprochen hatte. Wie das denn mit der Tat vereinbart sei, wurde gefragt. Der Angeklagte erwiderte, man habe ihm vorgegeben, was er sagen solle.

Der Richter fragte, warum der Angeklagte nicht gestanden hat, dass sein Freund beteiligt war. „Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich ihn verraten habe“, antwortete dieser. Man habe vereinbart, zusammenzuhalten. Nach viermonatiger Haft habe er aber gemerkt, dass ihm Unrecht getan werde. Schon während der Taten habe er Angst gehabt. Als der 19-Jährige vorschlug, sich zu stellen, habe sein Freund ihn beschimpft.

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