Brandstiftung Böddiger: Beschuldigter bleibt bei seiner Aussage

Scheune in Flammen: Wegen neunfacher Brandstiftung muss sich ein 19-Jähriger vor dem Landgericht Kassel verantworten. Unter anderem wird ihm ein Scheunenbrand in Böddiger Ende Januar zur Last gelegt. Foto: Archiv

Böddiger/Kassel. Ein 19 Jahre alter Zeuge aus dem Altkreis Melsungen hat vor dem Landgericht Kassel ausgesagt, mit der Brandserie in Böddiger nichts zu tun zu haben.

Der wegen neunfacher Brandstiftung Angeklagte hatte erklärt, dieser Zeuge könne beweisen, dass ein 20-Jähriger an vier Bränden beteiligt gewesen sei.

Der Angeklagte hatte von einem Dreier-Treffen berichtet. Der 19-Jährige könne beweisen, dass der 20-Jährige Mitbeteiligter sei. Er habe mit dem Angeklagten nie etwas zu tun gehabt, sagte der ehemalige Mitschüler. Den mitbeschuldigten 20-Jährigen kenne er gut. Der 19-Jährige Zeuge musste von der Polizei vorgeführt werden, weil er nicht erschienen war: „Ich habe es total verpennt.”

Vorsitzender Richter Volker Mütze sprach den Angeklagten auf dessen unterschiedliche Aussagen an: Bei der Polizei hatte er die Taten nach seiner Festnahme gestanden, am ersten Verhandlungstag hatte er gesagt, er könne seinen einst besten Freund nicht mehr decken. „Sie hatten allerbeste Karten, als wir in das Verfahren gingen”, sagte der Richter, „die Variante mit den drei Leuten nehme ich ihnen nicht ganz ab.” Ob denn der Angeklagte in der bisherigen Haft Tipps bekommen habe, wie man möglichst schnell wieder rauskomme, fragte der Richter.

Der Angeklagte sagte: „Ich bleibe dabei, was die Wahrheit ist. Dass er nicht dabei war, wäre gelogen. Ich lüge nicht, um rauszukommen. Lieber gehe ich fünf Jahre in den Knast, als zu lügen.”

Festgenommen worden war der Beschuldigte, nachdem er im Februar zum zweiten Mal die elterliche Gartenhütte angezündet hatte. Belegt wurde dies durch die Wildkamera eines Nachbarn. Der 57-Jährige hatte diese installiert, nachdem die Hütte seiner Verwandtschaft und die im Garten des Angeklagten gebrannt hatten: „Es war eine Gefahr für das ganze Dorf.”

Als er den 19-Jährigen bei der Auswertung erkannt habe, sei er auf die Straße gegangen und habe der Gruppe gesagt: „Ich weiß, wer es war.” Danach sei der Beschuldigte auf die Polizeibeamten zugegangen und habe selbst gesagt, er sei es gewesen.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe empfahl eine Bewährungsstrafe, Arbeitsstunden „in nicht geringem Umfang” und eine ambulante Psychotherapie.

Birgit von Hecker, Ärztliche Direktorin der Vitos-Klinik für forensische Psychiartie in Bad Emstal, erläuterte in ihrem Gutachten die Probleme des 19-Jährigen, der Lokführer werden wollte und die Augenoptiker-Lehre abbrach, auch weil er häufig unter Angst- und Panikattacken gelitten habe.

Von dieser Beteiligung hatte der Beschuldigte erst eine Woche vor Prozessbeginn gesprochen. Obwohl der 20-Jährige beteuert hatte, mit den Bränden nichts zu tun zu haben, hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen ihn eingeleitet.

• Nächster Verhandlungstag: Am Mittwoch, 2. November, ab 9 Uhr soll die Beweisaufnahme geschlossen werden; Landgericht Kassel.

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