Der aktuelle Stand im Überblick 

DGH-Umbau in Altenburg sorgt für Ärger: Unterkunft für Obdachlose geplant

Streitobjekt: Das Dorfgemeinschaftshaus in Altenburg soll künftig auch Obdachlose beherbergen. Foto: Féaux de Lacroix

Altenburg. Der Streit ums Dorfgemeinschaftshaus im Felsberger Stadtteil Altenburg geht weiter. 

Der Plan der Stadt Felsberg, in dem Gebäude Obdachlose und möglicherweise auch Flüchtlinge unterzubringen, hatte bei den Bewohnern des Stadtteils für Unmut gesorgt (die HNA berichtete). Wir beantworten Fragen zum aktuellen Stand.

Sollen in Altenburg nach wie vor Flüchtlinge untergebracht werden?

Nein. Diese Idee ist vom Tisch, wie Bürgermeister Volker Steinmetz auf Anfrage mitteilt. „Wir müssen derzeit nicht mit Zuweisungen von Flüchtlingen in einer solchen Größenordnung rechnen, dass wir auf das DGH zurückgreifen müssen“, erklärt er. „Deshalb verfolgen wir das nicht weiter.“

Was ist mit dem Plan, den Anbau des Dorfgemeinschaftshauses zur Obdachlosenunterkunft umzubauen?

Daran hält die Stadt auch weiterhin fest. Am Mittwoch haben die Umbauarbeiten begonnen. Im Frühjahr könnten sie abgeschlossen sein, schätzt Bürgermeister Volker Steinmetz. „Wir müssen in Felsberg eine Obdachlosenunterkunft bereitstellen“, sagt Steinmetz. Das habe nicht zuletzt der Fall von Manfred Siebert gezeigt. Wie berichtet, wurde der Mann aus Altenbrunslar, nachdem er obdachlos geworden war, letztlich in Kassel untergebracht, weil Felsberg keine Unterkunft für ihn hatte.

Was sagen die Dorfbewohner dazu?

Angie Boor, Einwohnerin und ehemalige Ortsvorsteherin von Altenburg, war empört, als sie am Mittwoch feststellte, dass die Bauarbeiten im DGH begonnen haben. Sie hat im November eine Petition beim Hessischen Landtag gegen den geplanten DGH-Umbau eingereicht. Die Bestätigung, dass die Petition eingegangen ist, hat sie Anfang Dezember erhalten. Seitdem wartet sie auf eine Stellungnahme der Landesregierung. Solange diese nicht vorliege, müssten die Bauarbeiten ruhen, fordert Boor.

Warum sind die Altenburger gegen die Unterbringung von Obdachlosen im DGH?

Sie berufen sich auf eine Vereinbarung, die der Felsberger und der Altenburger Bürgermeister 1971 unterschrieben haben. Diese besagt, dass das Dorfgemeinschaftshaus in Altenburg auf Dauer weder verpachtet noch vermietet werden darf. Der HNA liegt eine Eidesstattliche Versicherung der Zeitzeugin Irmtraud Richter, geb. Hesse vor. Sie lautet: „Mein Schwiegervater, der damalige Bürgermeister Altenburgs Karl Richter, hat nach Fertigstellung dem damaligen Bürgermeister von Felsberg ein Dokument überreicht. Zu diesem wurde von beiden Seiten einverständlich festgelegt, das DGH Altenburg auf Lebenszeit und kostenlose Nutzung zu übergeben. Es darf zu keinerlei Fremdbestimmung benutzt werden ohne ausdrückliche Zustimmung aller Anwohner. (…)“

Ein weiteres Argument der Altenburger ist, dass die Dorfbewohner das Gebäude in den 1960er-Jahren in Eigenleistung errichtet hätten.

Wie bewertet die Stadt diesen Widerspruch?

Aus Sicht von Bürgermeister Volker Steinmetz gibt es keinen Grund, die Arbeiten am DGH ruhen zu lassen. „Die Baugenehmigung liegt vor“, sagt er. Der Hessische Städte- und Gemeindebund habe 2003 festgestellt, dass der vereinbarte, zeitlich unbefristete Rechtsanspruch der Bewohner auf die alleinige Nutzung des DGH von Beginn an nichtig war. Die Eigenleistung der Altenburger beim Bau des DGH habe vier Prozent der Investitionen ausgemacht, sagt Steinmetz. Im Übrigen könne das DGH auch weiterhin als solches genutzt werden. Der Umbau betreffe nur den Anbau. Sollte die Stadt aber von der Landesbehörde die Anweisung erhalten, die Arbeiten zu unterbrechen, werde man dies natürlich befolgen.

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