Flyer mit rechten Parolen wurden in Gensungen verteilt

+
„Die Wahrheit über das Asyl-Chaos“: Unbekannte warfen dieses Flugblatt mit rechten Parolen in den Briefkasten von Hannelore Lumm. Die 56-jährige Gensungerin möchte nicht mit Foto in der Zeitung erscheinen.

Gensungen. Was Hannelore Lumm am Mittwochabend in ihrem Briefkasten gefunden hat, macht sie wütend. Zwei Flyer mit ausländerfeindlichen Sprüchen lagen darin.

Die 56-jährige Gensungerin blickt angewidert auf eins der Flugblätter. „Das sind doch alles nur hohle Phrasen“, sagt sie zum Inhalt des Flyers. Wenn sie höre, dass Menschen so etwas äußerten, schäme sie sich, Deutsche zu sein.

Der Inhalt

In dem Flyer heißt es unter anderem, mit der steigenden Zahl muslimischer Einwanderer importiere Deutschland „fremde Konflikte und Fanatiker, ohne auch nur hinzuschauen.“ Die Verfasser stellen die These auf, dass durch die vielen Flüchtlinge der Wohlstand in Deutschland vernichtet und die Sicherheit gefährdet werde. „Wer lügt und betrügt, seine Identität verheimlicht, Gesetze verletzt (...) der kriegt was er will und wird mit Applaus begrüßt“, heißt es auf dem Flugblatt weiter.

Die Reaktion

Hannelore Lumm machen solche Parolen deshalb ärgerlich, weil sie selbst mit Flüchtlingen zu tun hatte. Ihre Tochter arbeitet in einer Einrichtung in Borken-Gombeth, in der junge Flüchtlinge leben. Auch Hannelore Lumm hat dort schon mitangepackt und sich mit den Flüchtlingen unterhalten. Sie berichtet von jungen Männern aus Syrien, die ihr den Grund für ihre Flucht nach Deutschland geschildert haben: „Entweder müssen sie für die Armee die Waffe in die Hand nehmen oder für den IS. Wenn sie beides nicht wollen, werden sie erschossen.“

Anstatt an Parolen wie die auf dem Flyer zu glauben, sollten die Menschen in Deutschland lieber einmal selbst nachdenken, fordert Lumm.

Die Herkunft

Das Flugblatt wirbt für ein Abonnement der Zeitung „Junge Freiheit“, die laut Wikipedia von Politikwissenschaftlern als „Sprachrohr der Neuen Rechten“ bezeichnet und als konservativ bis rechtsextrem eingeordnet wird.

Die Flyer seien nicht mit der Post gekommen, sagt Hannelore Lumm. Offenbar habe sie jemand direkt in ihren Briefkasten eingeworfen. Eine Mitarbeiterin der Jungen Freiheit erklärte auf telefonische Nachfrage der HNA: Abonnenten könnten sich Flyer zu bestimmten Themen bestellen und dann selbst verteilen - darunter auch das Flyer zum Thema „Die Asyl-Krise“, das Hannelore Lumm in ihrem Briefkasten fand.

Das sagt die Polizei

Strafbar sei das Verteilen solcher Flyer meist nicht, sagt Markus Brettschneider, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Solange die Inhalte nicht beleidigend oder volksverhetzend seien oder verbotene Symbole wie das Hakenkreuz auf dem Flyer abgedruckt seien, habe man keine Handhabe dagegen. Es würden aber auch nur wenige Fälle bei der Polizei gemeldet, sagt Brettschneider.

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.