Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Brandstiftung

Brandserie in Böddiger: Der vom Angeklagten Beschuldigte streitet Beteiligung ab

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Lichterloh in Flammen stand im Januar eine Feldscheune in Böddiger.

Böddiger/Kassel. Er habe mit den Bränden in Böddiger nichts zu tun - das hat ein 20-jähriger Auszubildender aus dem Schwalm-Eder-Kreis gegenüber der Polizei ausgesagt.

Dieser Mann war von dem 19-Jährigen, der nach der Brandserie in Böddiger wegen neunfacher Brandstiftung und Diebstahls angeklagt wurde, beschuldigt worden, an mindestens vier Straftaten beteiligt gewesen zu sein. Zwei Brände habe sein Ex-Freund allein gelegt, an zwei weiteren sei er beteiligt gewesen. Das hatte der Angeklagte zum Auftakt des Prozessen am vergangenen Donnerstag ausgesagt.

Noch am selben Tag war der 20-Jährige vorläufig festgenommen und von der Polizei vernommen worden. Gestern war er als Zeuge geladen. Der Mann machte von seinem Aussage-Verweigerungsrecht Gebrauch. Er sagte lediglich: „Dass ich angeblich dabei war, dazu möchte ich nichts sagen.” Darauf reagierte der Angeklagte mit Kopfschütteln.

Wie Staatsanwalt Dr. Philip Schwarz mitteilte, läuft gegen den 20-Jährigen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Brandstiftung. Er habe die Vorwürfe abgestritten. Es gebe keinen dringenden Tatverdacht, deshalb sei er wieder auf freiem Fuß. Eine Speichelprobe wird nun mit Spuren an den Tatorten verglichen. Zu einer Gegenüberstellung mit einer Zeugin, die den 20-Jährigen an einem Tatort gesehen haben soll, ist er nicht bereit.

Der Vorsitzende Richter, Volker Mütze, verlas gestern das Protokoll der Vernehmung bei der Polizei. Darin bezeichnet der 20-Jährige den Angeklagten, den er aus der gemeinsamen Schulzeit kennt, als seinen besten Freund. Jedes Mal, wenn es in Böddiger gebrannt habe, sei er zu Hause gewesen. Laut Polizei war der Mann bei der Vernehmung aufgeschlossen und habe sich kooperativ gezeigt.

Am kommenden Montag soll nun eine Frau bezeugen, dass sie im Zusammenhang mit den Bränden den Angeklagten zusammen mit dem 20-Jährigen und einem weiteren 19-Jährigen gesehen habe. Der 19-Jährige war vom Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Karl-Heinz Zimmermann, als Zeuge vorgeschlagen worden.

Eine Zeugin aus Böddiger berichtete gestern, dass sie nach zwei Gartenhüttenbränden direkten Kontakt zum Angeklagten hatte. In einem Fall habe dieser sie kontaktiert. Er sei sehr nervös gewesen. Man habe versucht, mit einem Feuerlöscher zu löschen. Der Angeklagte habe zuvor schon die Feuerwehr alarmiert. Mit dem Verdacht auf Brandstiftung habe man gemeinsam „über diese Person geschimpft” und von einer Sauerei gesprochen. Der 19-Jährige habe geweint: „Er war ziemlich durcheinander.”

„Das war er”, sagte der Angeklagte gestern über den Ex-Freund. Und beteuerte: „Es geht mir nicht ums Strafmaß, sondern um Gerechtigkeit.” Dass der seit Februar in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte vor einer Woche erstmals von dem Mittäter gesprochen hatte, sorgte zum Prozessauftakt für eine große Überraschung und angesichts der früheren Aussagen zu vielen kritischen Nachfragen des Richters und der Sachverständigen. Fortsetzung: Montag, 24. Oktober und Mittwoch, 2. November, jeweils ab 9 Uhr Landgericht Kassel.

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