Weinlese am Böddiger Berg ist im vollen Gange

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Mit Freude am Weinlesen: Ursula Butterweck (links) aus Gensungen ist schon zum dritten Mal dabei und hat ihre Freundin Christa Knödl aus Kassel dieses Jahr überzeugen können, auch als Weinleserin mitzuhelfen.

Felsberg. Wenn am Böddiger Berg in Felsberg die Trauben reif sind, werden die Reben nicht von Maschinen oder Angestellten gelesen: 75 Freiwillige waren am Dienstag im Einsatz und halfen mit bei der Weinlese.

Gemeinsam wurde Rebe für Rebe von den Weinstöcken abgeschnitten. „Das Interesse daran, mitzuhelfen, war dieses Jahr besonders groß“, erzählt Klaus Stiegel, Vorsitzender des Fördervereins Böddiger Berg. Der Förderverein kümmert sich das ganze Jahr über um den Weinberg, aber auch um die Verarbeitung der Trauben. Dafür werden die Weinreben in das Kloster Eberbach in Eltville gebracht und dort gekeltert. „Die Trauben haben dieses Jahr, dank des warmen Septembers, einen hohen Fruchtzuckergehalt“, berichtet Stiegel. Dieser wird in Grad Oechsle gemessen und lag 2015 bei 74,5 Grad. „Dieses Jahr wird er zwischen 75 und 80 liegen“, sagt Stiegel. Das sei ein gutes Ergebnis.

Das Wetter sei 2016 dem Weinanbau förderlich gewesen: Im späten Frühjahr gab es keinen Frost und auch in der Wachstumsphase im Juni und Juli war das Wetter gut. Ob man dieses Jahr mehr als zehn Tonnen Trauben ernten könne, so wie 2015, sei noch nicht sicher. Stiegel sagt aber, dass man von dem halbtrockenen Jahrgang aus dem vergangenen Jahr wieder zurück zu einem trockenen Weingeschmack kommen möchte. Letztendlich entscheidet das allerdings der Kellermeister.

Im nördlichsten Weinanbaugebiet Hessens wurde gestern bis in den Nachmittag hinein gepflückt. Zunächst landen die Reben in Eimern und werden dann in große, rote Kisten umgekippt. Mitarbeiter des Bauhofs in Felsberg verluden diese auf Lastwagen. Damit die Trauben nicht schon in der Kiste gären, werden sie morgen in die Kelterei gebracht. Dort wird der Traubensaft mit Hefe angereichert und gärt einige Wochen. Fertig ist der „Böddiger Berg“ aber erst im Frühling 2017, sagt Stiegel. Aus dieser Ernte entstehen etwa 8000 Flaschen Wein und 1000 bis 1200 Liter kommen zum Versekten.

„Ohne die vielen Helfer wäre die Arbeit des Weinlesens nicht zu stemmen“, sagt Stiegel. Und für die meisten ist es nicht einfach nur Arbeit, sondern auch ein großer Spaß: Ruth und Rainer Bolduan aus Gensungen waren zum ersten Mal dabei und hatten viel Freude am Lesen. „Wir wollten schon immer mal mithelfen. Jetzt sind wir in Rente und haben Zeit dafür“, sagt Ruth Bolduan. Zur Belohnung erhalten die Helfer zwei Flaschen Wein und können sich jetzt bereits darauf freuen, dass sie im nächsten Jahr die Traubenauslese probieren dürfen, die sie selbst in den Händen gehalten haben.

Hintergrund: Geschichte des Weinanbaus

Das Weingebiet Böddiger Berg ist das nördlichste in Hessen und gehört zum Anbaugebiet Rheingau. Bereits in frühen Jahrhunderten soll dort Wein von Mönchen angebaut worden sein und kam bis 1950 zum Erliegen. Dann wurde der Weinanbau von Georg Angersbach wieder aufgegriffen. Bereits damals war der Wein eher trocken. Nach dem Tod Angersbachs wurden mehrere Versuche gemacht, das Gebiet wieder zum Weinanbau zu nutzen, doch 1990 wurde es von der Drogenhilfe Nordhessen übernommen. Mit der Gründung des Fördervereins Böddiger Berg im Jahr 1992 wurde es wieder möglich gemacht, eine Fläche von 1,4 Hektar mit Ehrenfelser und Riesling zu bepflanzen.

Weinlese am Böddiger Berg war erfolgreich

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