Keine mangelnde Verkehrssicherheit

Wieder tödlicher Unfall auf A7: Polizei hält Autobahn trotzdem für sicher

Ein Mann wurde tödlich verletzt: Der Wagen geriet mit hoher Geschwindigkeit unter den stehenden Sattelzug. Foto: Hessennews.TV

Guxhagen. Die schockierenden Meldungen über tödliche Unfälle auf der Autobahn 7 reißen nicht ab. Wieder ist das Teilstück Melsungen–Kassel-Süd in Richtung Norden betroffen.

Einen Zusammenhang sieht die Polizei dennoch nicht. Die Verkehrssicherheit sei hoch.

Zwischen den Anschlussstellen Melsungen und Guxhagen fuhr am Mittwochabend, wie berichtet, ein Mann aus Diepholz (Niedersachsen) mit seinem Auto auf ein Stauende auf. Der Wagen geriet dabei aus bislang ungeklärter Ursache unter einen Sattelzug. Der 48-Jährige starb noch an der Unfallstelle.

„Wir können den Unfall nicht an der Örtlichkeit festmachen“, sagt Matthias Mänz, Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen. Daher sei die einzige Parallele zu den anderen schweren Unfällen, dass ein Fahrzeug auf ein Stauende aufgefahren sei. Die Unfallursachen seien an den Fahrern festzumachen: Es könne sich um medizinische Gründe, Unachtsamkeit oder auch nicht angepasste Geschwindigkeit gehandelt haben.

„Ein Gutachter ist mit der Rekonstruktion des Unfalls beauftragt“, sagt Mänz. Das werde einige Tage dauern. Fest steht, dass der Fahrer mit hoher Geschwindigkeit unterwegs war. Wie schnell, sei noch unklar. Auf dem Autobahnabschnitt gilt Tempo 120.

Der Lastwagenfahrer hatte wegen eines Staus abbremsen müssen und stand mit eingeschalteter Warnblinkanlage auf dem rechten von drei Fahrstreifen.

Schilder warnen vor Stau

Hessen Mobil hatte an der Baustelle zwischen Guxhagen und Südkreuz Kassel nach einem Unfall mit drei Toten im Juli einige Änderungen vorgenommen. So gilt dort für Lastwagen Tempo 60, die drei Fahrspuren sind voneinander getrennt worden, und mehrere Hinweisschilder warnen frühzeitig vor einem Stau.

Nach drei Unfällen mit Toten standen insbesondere Lkw-Fahrer in der Kritik. Sie seien zu schnell unterwegs und würden häufig die Mindestabstände unterschreiten, hieß es.

Verkehrssicherheit

Die Stauwarntafeln auf der A7 sind im Zuge der geänderten Verkehrsführung beidseitig der Fahrbahn aufgestellt worden. Diese waren nach Aussage von Hessen Mobil auch in Betrieb. Für die Baustelle gilt ein sehr hoher Sicherheitsstandard. Der Unfall ereignete sich zudem ein gutes Stück vor dem Baustellenbereich, sagte Gerd Bohne, Sprecher von Hessen Mobil. Der Fahrer hatte also bereits Stauwarntafeln passiert.

Von Melsungen aus bis zum Parkplatz Quillerwald gibt es keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Anordnungen von Geschwindigkeitsbeschränkungen werden von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde getroffen. Die Straßenverkehrsbehörde kann die Benutzung bestimmter Straßen insbesondere aus Gründen der Sicherheit und Ordnung des Verkehrs beschränken. Straßenverkehrsbehörde ist Hessen Mobil.

Anzahl der Unfälle

Nach aktuellen Recherchen des Spiegel ist die Zahl der Unfälle, die Fahrer mit Lastwagen ab 3,5 Tonnen verursacht haben, rückläufig. Sie sank laut Statistischem Bundesamt zwischen 1995 und 2014 von 13.000 auf 8000 im Jahr. Das erkehrsaufkommen auf den Autobahnen hat hingegen zugenommen. Im Jahr 2015 kamen 82 Menschen bei Unfällen mit Sattelschleppern und Lastwagen über 3,5 Tonnen Gewicht ums Leben, insgesamt starben 3475 Menschen bei Verkehrsunfällen.

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Tempoverstöße

Nach Angaben der Zentralen Bußgeldstelle Hessen wurden im vergangenen Jahr 6708 Verstöße gegen das Mindestabstandsgebot auf hessischen Autobahnen von Lastwagen festgestellt. Das sind etwa 18 Verstöße am Tag. Im selben Zeitraum wurden 5683 Lastwagen mit einem Gewicht von mehr als 7,5 Tonnen geblitzt.

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