Körler fuhr mit Traktor zu Demonstration nach Berlin

Traktor vor Hochhauskulisse: Bernhard Wicke aus Körle demonstrierte in Berlin mit vielen Gleichgesinnten für den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft. Foto: privat/nh

Körle. Für den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft haben Landwirte während der Grünen Woche in Berlin demonstriert. Mit dabei war auch Bernhard Wicke aus Körle.

5 Jahre ist es her, dass Bernhard Wicke erstmals zur Demonstration während der Grünen Woche nach Berlin fuhr. „Damals waren wir noch nicht so viele Treckerfahrer wie in diesem Jahr“, sagt Wicke. Auch sonst hat sich manches geändert: Zu Beginn schliefen die Teilnehmer in Berlin auf einem Heuboden, inzwischen gibt es Matratzen. „Im Heu haben wir aber auch gut geschlafen“, sagt Wicke und lacht.

35 Stunden Fahrzeit hat Bernhard Wicke gezählt: 17 auf dem Hinweg, 13 auf dem Rückweg plus weitere Stunden auf der Demo in Berlin. Unterwegs hat Wicke eine Übernachtung eingeschoben, in Berlin verbrachte er zwei Nächte.

50 Jahre - so lange ist Wicke schon als Landwirt in Körle tätig, anfangs noch als Jugendlicher auf dem Hof seines Vaters. Wicke ist 65 Jahre alt, also im Rentenalter, doch ans Aufhören denkt er noch nicht. „Landwirt zu sein ist mehr als ein Beruf, das ist eine Berufung.“ Trotz seines Alters kann er sich vorstellen, dass er auch im kommenden Jahr wieder zur Demo in Berlin fährt. Wieder mit seinem Traktor.

130 Traktorfahrer waren diesmal bei der Demonstration dabei - insgesamt zählten die Veranstalter 23.000 Teilnehmer. Das waren nur noch halb so viele wie im Vorjahr, sagt Wicke. Das liege aber wohl auch daran, dass erst vor wenigen Monaten schon eine Groß-Demo von Landwirten in Berlin stattfand, zu der 250.000 Teilnehmer kamen.

300 Liter Sprit, so schätzt Wicke, hat er auf der Fahrt nach Berlin verbraucht. Natürlich sei das auch ein Kostenfaktor - „aber das ist es wert“, sagt er. Der Ausflug nach Berlin habe ihm viele Gänsehautmomente beschert, schildert er. „Als wir auf dem Stadtgut in Berlin ankamen, stand dort schon alles voller Trecker. Das ist ein tolles Gemeinschaftsgefühl.“ Schnell entstünden Kontakte zu den anderen Demo-Teilnehmern.

800 Kilometer hat Bernhard Wicke auf der Fahrt von Körle nach Berlin und zurück mit seinem Traktor geschrubbt. In Seeburg bei Göttingen hat er sich mit weiteren Teilnehmern getroffen - mit insgesamt fünf Traktoren fuhr die Gruppe dann über Thüringen weiter bis Berlin.

„Wir können ja keine Autobahnen benutzen, sondern fahren über die Dörfer“, erzählt Wicke. Dort hätten ihnen viele Bewohner zugewunken und die Daumen hochgestreckt, als die Traktoren vorbeifuhren. „Da weiß man, es lohnt sich, Bauer zu sein und dafür zu kämpfen“, sagt Wicke.

Wenn die bäuerliche Landwirtschaft sterbe, würden auch die Dörfer sterben, ist Wicke überzeugt. Bauernhöfe gehörten einfach zur dörflichen Kultur.

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