Eines der ersten seiner Art

Körler fährt 20 Jahre alten VW Golf mit Elektro-Antrieb

Zum Auftanken wird einfach das Kennzeichen runtergeklappt: Dann kommt die Steckdose zum Vorschein, und Roland Gaber kann seinen VW Golf Citystromer an die Strom-Tankstelle anschließen. Im Motorraum steckt das Stromaggregat. Foto: Féaux de Lacroix

Körle. Roland Gaber gilt als Pionier der E-Fahrzeuge: Der Ingenieur entwickelte ab Ende der 1980er-Jahre bei Siemens Elektroantriebe. Seitdem fährt er auch selbst Autos mit Elektro-Antrieb. Darunter auch eines der ersten seiner Art.

Bis zum Jahr 2020 sollen auf Deutschlands Straßen eine Million Elektro-Fahrzeuge rollen. Das jedenfalls wünscht sich Bundeskanzlerin Angela Merkel. Roland Gaber aus Körle tut schon jetzt einiges dafür: Er besitzt allein sechs Exemplare des VW Golf City-Stromers - eines der ersten Elektrofahrzeuge, das serienmäßig produziert wurde. Am Montag, 20. November, feiern gleich mehrere seiner E-Autos 20. Geburtstag: Sie rollten am 17. November 1994 vom Band.

„Viele Leute wissen gar nicht, dass es Elektro-Autos schon so lange gibt“, sagt Roland Gaber. Der 57-jährige Ingenieur hat die Entwicklung dieser benzinfreien Fahrzeuge von Anfang an begleitet. „Das waren Exoten“, sagt er. „Seinerzeit wurde man dafür noch als Spinner belächelt.“

Als Siemens Ende der 1980er-Jahre den Antrieb für den Citystromer von VW entwickeln sollte, holten sie sich Gaber als Experten dazu.

Schöne Erinnerung: Roland Gaber (2. von links) mit einem Solarmobil 1990 beim Stadtlauf in Kassel. Foto: privat/nh

Deshalb habe er das fertige Auto auch zu Sonderkonditionen bekommen, sagt er augenzwinkernd. Dabei wurde der Citystromer nur vereinzelt an Privatleute verkauft: In erster Linie durften ihn die großen Energiekonzerne nutzen. Roland Gaber kaufte zwölf Stück - das war immerhin ein Zehntel der gesamten Flotte. Einen Teil der Autos hat Gaber inzwischen weiterverkauft, verliehen oder auch verschenkt - an seinen Sohn zum Beispiel. „Von den 120 Citystromern, die damals hergestellt wurden, sind heute noch 70 auf den Straßen unterwegs“, sagt Gaber. In Deutschland, in Österreich, in Norwegen - und eins sogar in den USA.

Die lange Lebensdauer der Elektroautos sei ein großer Vorteil, sagt Gaber. Er tätschelt die Motorhaube eines seiner Citystromer - ein knallrotes Exemplar. „Den habe ich 1997 gekauft, aber dann stand er erstmal in der Garage. 2009 habe ich ihn dann zugelassen, und seitdem ist er 101 000 Kilometer gefahren.“ Als die 70 000 Kilometer erreicht waren, tauschte er den Batteriesatz aus. Das war's. Keine Wartung, keine Inspektion, keine Reparaturen. „Er läuft störungsfrei“, sagt Gaber.

Gaber weiß, dass heute produzierte Elektro-Autos seinem Citystromer um Längen voraus sind: „Meine Fahrzeuge haben 20 Kilowatt, das war vor 20 Jahren fantastisch.“ Heute seien 100 bis 200 Kilowatt üblich. Trotzdem: „Es reizt mich nicht, meinem Golf untreu zu werden“, sagt Gaber. „Wer einmal so ein Auto hat, der verkauft es nicht mehr.“ Für ihn steht fest: „Es gibt keine Alternative zum Elektro-Auto.“ Einer Massenfertigung dieser Fahrzeuge stehe nichts im Weg - außer der Schranke in den Köpfen. Und wenn Elektro-Autos erstmal mit größeren Stückzahlen vom Band rollen würden, dann werde auch der Preis sinken, sagt Gaber. Und so könnte auch Angies Traum fürs Jahr 2020 wahr werden.

Von Judith Féaux de Lacroix

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