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Wir erklären Karnevalsuniformen: Was dahinter steckt

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Präsentieren ihre Uniformen: (v.l.) Elferratsmitglied Reiner Fehr, Stadtsoldat Ralf Fehr und Gardetänzerin Hannah Bäumgen vom Carneval Club Empfershausen

Empfershausen. Bis 9. Februar tobt der Karneval in der Region und die klassischen Karnevalsuniformen sind wieder zu sehen. Doch was hat es damit auf sich? Wir haben nachgefragt.

Bunte Uniformen gehören zum klassischen Karneval unbedingt dazu. Die aufwändige Kostümierung hat oft einen historischen Hintergrund - gerade bei den Tänzern muss sie aber auch praktische Zwecke erfüllen. Wir haben uns die Uniformen am Beispiel des Carnevals-Club Empfershausen (CCE) einmal genauer angesehen.

Stefan Ude, der beim CCE für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, hat uns erklärt, was die einzelnen Figuren tragen - und warum.

Der Carnevals-Club Empfershausen übernimmt die Kosten für die Uniformen. „Es soll keine finanzielle Hürde geben, bei uns mitzumachen“, sagt Ude. Denn für eine Uniform muss man etwa 250 Euro hinlegen - die Ausstattung für Elferratsmitglieder kostet sogar 500 bis 600 Euro.

Tragen dürfen die Narren das offizielle Ornat nur innerhalb der Session, also vom 11. November bis Aschermittwoch. Tritt der Karnevalsverein außerhalb der Session auf, etwa bei einer Kirmes, tragen die Narren zwar trotzdem ihre Uniformen - Orden, Kappen und Perücken lassen sie dann aber weg.

Elferrat

So locker und ausgelassen es eigentlich beim Karneval zugeht - der Elferrat ist eher eine steife Angelegenheit. „Der Elferrat repräsentiert, er ist das Aushängeschild des Vereins“, erläutert Stefan Ude, Zugleich agiert der Elferrat aber auch viel im Hintergrund: „Er ist für Kontrolle und Lenkung zuständig“, erläutert Stefan Ude. Entsprechend seriös ist auch die Uniform gestaltet.

1. Die Kappe:  „Eingeführt wurden die Narrenkappen 1827 von einem preußischen General“, erzählt Stefan Ude. Dieser wollte ein kritisches Auge auf die Narren werfen - und um sie besser erkennen zu können, wurde angeordnet, dass sie Kappen tragen sollten. „Die Kappe war ursprünglich an die Jakobinermützen angelehnt“, sagt Stefan Ude. Diese Mützen wurden früher von Leibeigenen und Sträflingen getragen - während der Französischen Revolution wurden sie zum Symbol der Freiheit. Anfangs hatten die Kappen nur eine Spitze, weitere Spitzen kamen später dazu. „Früher waren die Mützen noch aus Papier und wurden zu Aschermittwoch verbrannt“, erläutert Ude. Auch der CCE habe 1960 mit Mützen aus Papier angefangen.

2. Die Orden: Ein Elferratsmitglied hat meist mehrere Orden um den Hals hängen, weitere sind ans Revers der Jakettjacke gesteckt. „Damit sollte ursprünglich das Militär verunglimpft werden. Dahinter steckte die Kritik: Beim Militär gibt’s für jeden Mist einen Orden“, sagt Ude. Inzwischen aber gelten die Orden auch im Karneval als Auszeichnungen, die mit Stolz getragen werden. Elferratsmitglied Reiner Fehr trägt den großen Sessionsorden - dieser wird bei Karnevalsveranstaltungen gern an andere Vereine verliehen - eine Ehrennadel für 20-jährige Mitgliedschaft im CCE, eine Nadel für die aktuelle Session und eine Nadel zum CCE-Jubiläum: 55, also 5 x 11 Jahre, ist der Verein kürzlich geworden.

3. Sakko und weißes Hemd: Neben der Kappe gehören sie zur Pflichtausstattung des Elferrats, betont Stefan Ude. Reiner Fehr trägt zudem auch noch Weste und Fliege - das sei aber kein Muss. Die Farben der Kleidung sind passend zum Grün des Carnevals-Club Empfershausen gewählt. „Grün ist eine ungewöhnliche Farbe für Karnevalsvereine“, sagt Stefan Ude. Rot, weiß, blau und gelb seien eher die klassischen Farben. Grün passe aber gut zu Empfershausen, weil sich das Grün des Mülmischtals darin widerspiegele.

Stadtsoldat

Das Stadtsoldatencorps des Carnevals-Club Empfershausen ist eine Besonderheit: Es ist das Einzige seiner Art in Nordhessen. Gegründet wurde es im Jahr 2010. Die Stadtsoldaten bilden einen Gegensatz zu den steifen Kappenträgern des Elferrats. Sie sollen tanzen, deshalb tragen sie Uniformen aus elastischen Stoffen, die viel Bewegungsfreiheit lassen. Im Empfershäuser Corps tanzen derzeit 15 Männer und ein Mariechen. „Die Stadtsoldaten kommen ursprünglich aus dem Kölner Karneval“, erklärt Stefan Ude.

4. Der Hut:  Der Dreispitz, den Stadtsoldat Ralf Fehr trägt, war die klassische Kopfbedeckung von hohen Militärs und anderen Obrigkeiten - und sollte diese persiflieren.

5. Das Gewehr: Ein Stadtsoldat trägt natürlich auch ein Gewehr - aber in einer verballhornten Form. Es taugt nicht zum Schießen, und im Lauf steckt ein Blumensträußchen. Schließlich sollen die Karnevalisten nicht Krieg und Gewalt verbreiten, sondern Freude und Frieden.

6. Die Jacke:  Sie ist einer militärischen Uniformjacke nachempfunden und mit einer goldenen Schützenschnur - einer militärischen Auszeichnung - geschmückt. Richtige Orden tragen die Stadtsoldaten nicht, da sie beim Tanzen stören würden.

7. Die Stiefel:  Auch sie sind eine Anspielung auf echte Soldatenuniformen. „Die Soldaten mussten früher Stiefel tragen, um Verletzungen durch Hellebarden zu vermeiden“, sagt Stefan Ude. Die Stadtsoldaten vom CCE tragen allerdings keine richtigen Stiefel, sondern Gamaschen, wie man sie in Reitergeschäften bekommt. Diese sind günstiger als richtige Stiefel - für die müsste man schnell 500 oder 600 Euro hinlegen, sagt Stefan Ude. Zum anderen sind die Gamaschen aber auch weniger steif als Stiefel - und damit besser zum Tanzen geeignet.

Mariechen/Gardetänzerin

Auch das Mariechen-Kostüm ist ans Militärische angelehnt. Die Uniform erinnert an die Bekleidung der Marketenderinnen, die im 30-jährigen Krieg die Heere begleiteten und die Soldaten mit Waren wie Bier und Zigaretten versorgten. Da der Karneval das Militär persiflierte, griff er auch die Figur der Marketenderin auf. Allerdings wurde diese ursprünglich von Männern dargestellt. Erst unter den Nationalsozialisten übernahmen Frauen auch im Karneval diese Rolle: Unter den Nazis war es nicht gern gesehen, dass Männer Frauenkleider trugen. Die Uniform der Gardetänzerinnen sei eine Mischung aus klassischem Outfit und moderner Kleidung, die Bewegungsfreiheit garantiere.

8. Der Hut:  Die Dreispitz-Form des Hutes, den Gardetänzerin Hannah Bäumgen trägt, ist an die Uniformen der Marketenderinnen angelehnt.

9. Die Perücke: Die meisten Gardetänzerinnen und Mariechen tragen Perücken, so dass alle eine einheitliche Frisur haben. „Im klassischen Karneval trugen die Frauen noch weiße Perücken, inzwischen ist man aber auf schwarze Haare umgeschwenkt“, erklärt Stefan Ude.

10. Die Jacke: Auch die Jacke erinnert von der Form her an eine militärische Uniform-Jacke. Die aktuellen Farben weiß und lila passen zwar nicht zur Vereinsfarbe grün. „Aber die Garden tauschen regelmäßig die Farben ihrer Uniformen, um optisch für Abwechslung zu sorgen“, sagt Ude.

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