Vision für Leerstand

Pläne für Jüdisches Kulturzentrum: Hentschker-Haus soll Gästehaus werden 

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Die Fassade muss saniert werden: Bevor im früheren Hentschker-Haus Gäste übernachten können, gibt es noch einiges zu tun. Dafür werden Helfer gesucht. Fotos: Féaux de Lacroix

Felsberg. Ein eigens zu diesem Zweck gegründeter Verein will in Felsberg ein Nordhessisches Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur aufbauen. Ein Teil des Projekts: Das leerstehende Hentschker-Haus soll zum Gästehaus für die Besucher des Zentrums umgebaut werden. Dafür werden Helfer gesucht.

Noch braucht man viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass in dem leerstehenden Haus in der Felsberger Obergasse 29 bald Gäste übernachten können. Die Räume stehen voll mit alten Möbeln und Gerümpel, in den Hauswänden klaffen Löcher. Aber Christopher Willing ist zuversichtlich: „Das Ziel ist, das Projekt dieses Jahr zum Laufen zu bekommen.“

Willing ist Vorsitzender des Vereins „Rettet die Synagoge Felsberg“, der in der Drei-Burgen-Stadt ein Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur aufbauen möchte. Zwei Gebäude stehen dabei im Mittelpunkt: Zum einen die ehemalige Synagoge in der Ritterstraße, zum anderen das Fachwerkhaus in der Obergasse, das nach seinen früheren Bewohnern auch Hentschker-Haus genannt wird.

Verwunschen: Gitta Hentschker-Kranixfeld im Garten des Hauses, in dem sich ihre Mutter Ulla besonders gern aufhielt.

Bis zu ihrem Tod im vergangenen Jahr hatte Ursula, genannt Ulla Hentschker die obere Etage des Hauses bewohnt, seitdem wird es nicht mehr genutzt. Hentschkers Kinder haben das Gebäude dem Verein geschenkt, damit dieser ein Künstler- und Gästehaus daraus machen kann.

„Die Idee hat uns allen vier Geschwistern gut gefallen“, sagt Gitta Hentschker-Kranixfeld, die selbst Mitglied in dem Verein zur Rettung der Synagoge ist. „Meine Mutter wäre von dem Projekt begeistert gewesen“, ist sich Hentschker-Kranixfeld sicher. Es sei immer ein tiefes Anliegen von Ulla Hentschker gewesen, den Kontakt zur jüdischen Gemeinde zu wahren. Noch zu Lebzeiten habe sie die Idee gehabt, ihr Haus für Veranstaltungen der Gemeinde zur Verfügung zu stellen.

An dem Gebäude gibt es nun aber erst einmal viel zu tun: Die löchrige Fassade muss gegen Kälte und Wind isoliert werden, und die Treppe, die das Erdgeschoss mit der ersten Etage verbindet, muss ausgetauscht werden. Außerdem soll die sperrige Ölheizung durch eine Gasheizung ersetzt werden. Dadurch würde im Erdgeschoss Platz geschaffen: „Dort wollen wir einen Veranstaltungsraum einrichten“, erklärt Christopher Willing. All das kann der Verein nicht allein stemmen: „Wir suchen Helfer auf allen Ebenen“, sagt Willing. Ob jemand Geld spendet oder seine handwerklichen Fähigkeiten einbringt - jede Unterstützung ist willkommen. Der Verein hofft auch auf Unternehmen als Sponsoren: Im Gegenzug könnte zum Beispiel eine Veranstaltungsreihe nach der Firma benannt werden.

Pläne für Jüdisches Kulturzentrum: Hentschker-Haus soll Gästehaus werden

Zwischen 20.000 und 30.000 Euro, schätzt Willing, brauche man für die Sanierung des Gebäudes. „Dann hat man noch kein totales Schätzchen, aber man kann anfangen zu arbeiten.“Generell will der Verein sparsam vorgehen - und zum Beispiel die alten Möbel, die noch im Gebäude stehen, zum Teil für die Einrichtung der Gästezimmer nutzen.

Von Judith Féaux de Lacroix

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