ADFC: Melsungen braucht ein Konzept für den Radverkehr

Ein Konzept muss her: Horst Gießler, Radbeauftragter und Vorsitzender der ADFC-Ortsgruppe, möchte das Radfahren in Melsungen attraktiver und sicherer machen. Archivfoto:  Koch

Melsungen. Ein Konzept für den Radverkehr in Melsungen fordert der Vorsitzende der ADFC-Ortsgruppe Horst Gießler.

Gießler ist 73 Jahre alt und unermüdlich im Einsatz, um die Stadt sicherer und fahrradfreundlicher zu machen. Und vor allem, mehr Menschen fürs Radfahren zu begeistern.

Dafür benötige es aber ein Konzept, wie die Zukunft des Radverkehrs in Melsungen entwickelt werden könne. Und zwar eines „von Radverkehrsexperten“. Er sei mit seinem Latein am Ende. Kaum Geld für seine Vorschläge und nur wenige seien in den 20 Jahren seiner Tätigkeit als Radbeauftragter umgesetzt worden.

Melsungen sei bei den Fahrradfahrern beliebt, immerhin Platz 5 in Hessen erreichte die Stadt bei einer Befragung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) 2014. Melsungen sei der Einäugige unter den Blinden, relativiert Horst Gießler das Ergebnis.

Gefahrenschwerpunkte

Es gebe wichtige Gefahrenstellen in der Stadt, die unbedingt entschärft werden müssten: Er nennt die Kreuzung Fritzlarer Straße, die Schlossstraße und die Bahnhofstraße. Aber bevor es ein Flickwerk verschiedener Änderungen gebe, müssten die Verantwortlichen bei der Stadt und im Parlament mehr Bereitschaft zeigen, ein Konzept auf den Weg zu bringen. „Das muss nicht einmal viel kosten. Es gibt schon sehr genaue Untersuchungen und Verkehrsgutachten, die man auswerten könne“, sagt Gießler.

Konzepte vorhanden

Die Grünen hätten jüngst einen Antrag in der Stadtverordnetenversammlung gestellt, der in die richtige Richtung ging. Das von der Fraktion geforderte Konzept hätte mit 50.000 Euro aber viel Geld gekostet. Für so einen Vorstoß gebe es nur schwer eine Mehrheit.

Gießler bringt allerdings Gutachten aus den 1980er-Jahren ins Spiel. Die besagte Verkehrsstudie vom Planungsbüro Siebert sei aber in puncto Radkonzept gut zu gebrauchen. Es sei ja so gut wie nichts davon umgesetzt. Die Stadt habe ihm zugesagt, dass es künftig einen Radverkehrsausschuss geben solle, das werte er als gutes Zeichen. „Ich hätte mein Amt niedergelegt, wenn die Stadt nicht grundlegend etwas verändern möchte“, sagt der 73-Jährige.

Das sagt die Stadt

Ein Arbeitskreis Radverkehr sei angedacht, bestätigt Markus Boucsein, Melsungens Bürgermeister. Die Stadt stehe den Ideen von Horst Gießler sehr offen gegenüber. So sei bei Hessen Mobil angefragt worden, ob die Bundesstraße 83 von Schlossstraße bis Ortsausgang in Richtung Röhrenfurth nicht mit einem Schutzstreifen für Radfahrer versehen werden könnte. Aber auch nach dem Ausbau sei die Straße nicht breit genug, dies gelte auch für die Bahnhofstraße. Für die Kreuzung Schlossstraße/Fritzlarer Straße sei sogar ein Kreisverkehr im Gespräch. Auch die Einmündungen Kreissparkasse und Kesselberg sollten überprüft werden. Von einem von Horst Gießler ins Spiel gebrachten Planungsbüro aus Kassel wisse er nichts. Was natürlich nicht bedeute, dass eine solche Beratung nicht in Frage komme. Auch ein Besuch der radfreundlichen Stadt Bad Wildungen sei mit dem Arbeitskreis Radverkehr sehr gut machbar, sagt Boucsein. In der Tat brauche es eine ganzheitliche Betrachtung.

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