Der Name ist Wurscht

Ahle Wurscht oder Ahle Worscht: Welche Schreibweise ist richtig?

+
Eine Stracke ist eine Stracke: Aber eine Ahle Wurscht sei eine Ahle Worscht, sagt Franz Schlegl aus Korbach. Der 59-Jährige verkauft auf dem Melsunger Wochenmarkt Bio-Würste.

Melsungen. Sie ist Nordhessens Botschafterin Nummer eins: die Ahle Wurscht. Aber wie heißt sie eigentlich korrekt und nennen tatsächlich die Südhessen unsere Wurscht Worscht?

Matthias Pflüger ist einer, der es wissen sollte. Er ist Vorsitzender des Fördervereins Nordhessische Ahle Wurscht und Fleischermeister. Der Förderverein ist der Hüter des Reinheitsgebots unserer Wurscht. „Wie unser Name schon sagt, haben wir uns auf Ahle Wurscht festgelegt“, sagt Pflüger. In erster Linie, da der Name eine größere Nähe zur Wurst habe. „Bei uns in der Region Hoher Meißner heißt es Wurscht.“ Aber in den unterschiedlichen nordhessischen Dialekten heiße sie auch Worscht und Worschd. Diese mundartlichen Unterschiede schlügen sich dann auch in der Schriftform nieder. „Damit wir uns nicht darüber streiten, sollten wir in Nordhessen Stracke sagen, oder doch besser Stragge?“, sagt der 42-Jährige und lacht.

In allen Publikationen der Grimm-Heimat Nordhessen heißt das nordhessische Original Wurscht. Man orientiere sich an der Schreibweise des Fördervereins, da man das Produkt gemeinsam vermarkte. „Bei der Ahlen Wurscht gibt es keine zwei Meinungen, über den Ursprung der Grünen Soße können wir aber gerne streiten“, sagt Ute Schulte vom Regionalmanagement. „Das wichtigste ist, dass die Ahle Wurscht immer ein nordhessisches Produkt ist. Die Wurscht hat in Südhessen nichts verloren.“ Die Südhessen hätten ihren Handkäs und Apfelwein.

Die größte Wurst-Online-Community gibt es auf Facebook - sie heißt „Kasseler Ahle-Worscht-Fanclub“. Sebastian Rode aus Kassel hat sie 2010 gegründet. „Aus heutiger Sicht würde ich sie wohl Worschd nennen“, sagt der Kasseler Werbeprofi.

Aus Gründen der internationalen Vermarktbarkeit sei Wurscht aber die bessere Lösung. Ihm sei es aber letztlich egal, wie sie heißt, hauptsache, sie schmeckt. Im übrigen seien alle Bezeichnungen weit verbreitet.

Wie viel wichtiger ein gleichbleibend guter Geschmack ist, erlebte Helmut Wenderoth, freier Mitarbeiter der HNA, jüngst im Berliner Kaufhaus des Westens. Dort gab es Stände mit regionalen Spezialitäten - unter anderem auch mit Ahler Wurscht. „Die schmeckt aber klemme“, sagte er der Verkäuferin. Die verstand aber nur Bahnhof und fragte, ob er sich auskenne und was das heiße. Er komme aus der Heimat der Ahlen Wurscht und das sei keine, denn sie schmecke nicht.

Also, wie man die Wurst nun nennen möchte, bleibt jedem selbst überlassen, aber nicht, was rein darf.

Strenges Reinheitsgebot

Die „Nordhessische Ahle Wurscht ist seit kurzem durch ein Herkunftszeichen geschützt. Das Reinheitsgebot des Fördervereins ist jedoch strenger.

Die Kriterien des Fördervereins Nordhessische Ahle Wurscht knüpften an die Hausschlachtung an, sagt Matthias Pflüger, Vorsitzender:

Das Schwein muss aus Nordhessen stammen. Es muss mindestens 150 Kilogramm Lebendgewicht haben. Das Fleisch muss warm verarbeitet werden, also innerhalb von zwölf Stunden nach der Schlachtung.

• Das darf nicht rein: Reifebeschleuniger, Eiweißbindemittel, Starterkulturen, Nitritpökelsalz und Fertiggewürzmischungen.

• Das darf rein: Salz, Naturgewürze wie Pfeffer, Knoblauch Rum oder andere Geheimzutaten und Salpeter (dient zur Rötung). Es darf kein Kunstdarm verwendet werden. An jeder Wurst muss ein Herstellungsdatum sein. Die Stracke und Runde unterscheiden sich nur durch die Därme. 90 Prozent des Muskelfleischs müssen verarbeitet werden, auch Edelfleischteile wie Rücken- und Schinkenfleisch.

www.nordhessische-ahle-wurscht.de

Archivvideo: So wird Ahle Wurscht hergestellt

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.