Interview mit Helfer: "Durch Flüchtlinge den demografischen Wandel bremsen"

Engagiert sich mit Fahrradtouren und handwerklicher Hilfe für Flüchtlinge: Roland Wex aus Melsungen. „Asylsuchende, die so viel aufgegeben haben, können integriert werden“, sagt er. Foto: Frangenberg

Melsungen. Der Melsunger Roland Wex engagiert sich mit einer Fahrradgruppe und praktischer handwerklicher Hilfe für Flüchtlinge. Er sieht den Flüchtlingsansturm als Chance.

Im Interview erzählt er, warum mit den Flüchtlingen der demografischen Entwicklung in Deutschland entgegengewirkt wird.

Herr Wex, Sie sind im Aufsichtsrat ihrer Firma, haben Familie und unterstützen in ihrer Freizeit Flüchtlinge. Was hält denn ihre Frau von dem straffen Terminplan? 

Wex: „Sie unterstützt mich sehr. Erst heute morgen sind wir gemeinsam mit einem afghanischen Ehepaar nach Kassel gefahren, um einen Küchenschrank für die Familie zu kaufen und aufzubauen. Meine Frau ist dann auch dabei.“

Was steht in ihrem Leben denn an erster Stelle? Das Engagement für Flüchtlinge? 

Wex: „Mir ist es am wichtigsten, mich fit zu halten, aber die Beziehung zu meiner Familie und meiner Frau steht noch davor. Spätestens an dritter Stelle kommt dann aber das Engagement für Flüchtlinge.“

Warum engagieren Sie sich denn für Flüchtlinge? 

Wex: „Die Politik hat lange die Auswirkungen des demografischen Wandels verschlagen. Nur durch den Zuwachs von Asylanten kann meiner Meinung nach ein Generationenkrieg zwischen Jung und Alt verhindert werden. Mit meinem Engagement möchte ich helfen, die Menschen zu integrieren. Nur so kann ein Sozialkonflikt verhindert werden.“

Glauben Sie denn wirklich, dass ihre Vision der Integration mit tausenden von Flüchtlingen funktioniert? 

Wex: „Menschen, die so viel in ihrer Heimat aufgegeben haben, sind bereit, sich darauf einzulassen. Davon bin ich überzeugt.“

Wollen Sie den Flüchtlingen also unsere Kultur beibringen? 

Wex: „Ich sehe keine deutsche oder christliche Kultur, die wir verteidigen oder beibringen müssen. Europa hatte immer Völkerwanderung und Kulturvermischungen. Ich spiele auch nicht den Überlegeneren, der den Menschen etwas beibringt. Ich möchte auf Augenhöhe helfen. Das ist der Wert, der unsere Gesellschaft ausmacht. Verteidigen müssen wir nur den Frieden.“

Unsere Gesellschaft ist in der Flüchtlingsfrage sehr gespalten. Was würden Sie Anhängern von Pegida gerne sagen? 

Wex: 70 Prozent der Pegida -Anhänger sind nicht in der Kirche aber wollen angeblich den christlichen Glauben verteidigen. Ich würde gerne sagen, dass die Götter der vielen Weltreligionen nicht alle im Himmel auf einer Stange nebeneinander sitzen und diskutieren, wer der Bessere von ihnen ist. Für mich sind alle Religionen gleichbedeutend und für den Einzelnen eine Stütze im Leben.

Was erwarten Sie von den Asylsuchenden im Gegenzug für Ihre Hilfe? 

Wex: „Keine Dankbarkeit an sich. Meine persönliche innere Befriedigung hängt damit zusammen, dass ich anderen Menschen geholfen habe.“

Was raten Sie Menschen, die sagen, dass sie keine Zeit hätten, sich für Flüchtlinge zu engagieren? 

Wex: „Zeit zu helfen, das hat jeder, es ist immer nur die Frage, wie viel und wie man sich organisieren kann. Ich glaube, dass die meisten nicht helfen, weil sie Kontaktängste haben.“

Nimmt Sie der Kontakt zu Flüchtlingen emotional mit? 

Wex: „Es beschäftigt mich schon. Man muss sehr vorsichtig sein, was man die Menschen zu ihren Erlebnissen in der Heimat oder auf der Flucht fragt. Die Kinder sind unbeschwerter. Manche nennen mich und meine Frau schon Oma und Opa.“

Gab es ein Erlebnis, bei dem Sie gemerkt haben, dass es doch große kulturelle Unterschiede zwischen den Menschen gibt? 

Wex: „Wenn ich einen Termin für ein Treffen um 15 Uhr mache, dann kommen afghanische Flüchtlinge sehr pünktlich. Bei den Afrikanern kann es schonmal 15.30 werden. Sie sagen, dass sei ja immer noch drei Uhr. Diese kulturellen Unterschiede müssen wir erstmal akzeptieren, da sie sich nach und nach angleichen.“

Zur Person: Roland Wex wurde am 27. Mai 1942 in Bad Salzuflen (Nordrhein-Westfalen) geboren. Der Werkzeugmacher und Ingenieur arbeitete lange in der Entwicklungsabteilung des Medizintechnik-Herstellers B. Braun. Heute besitzt er mit Partnern das Unternehmen RoweMed AG, das auch Medizinprodukte herstellt. Der 73-Jährige lebt in Melsungen, ist verheiratet, hat zwei Töchter und zwei Enkel.

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