Lernen mit E-Auto: Radko-Stöckl-Schule wird Schulungsstandort

Das neue E-Auto: Lehrer der Radko-Stöckl-Schule, Vertreter des Fördervereins, des Landkreises, der Stadt Melsungen und der Kreishandwerkerschaft freuen sich über das Fahrzeug, das zu Lern- und Fahrzwecken angeschafft wurde. Vorne fünfter von links Schulleiter Hans Bernd Richter, daneben Landrat Winfried Becker und Markus Gille, Abteilungsleiter Technik. Foto: Feser

Melsungen. Die Radko-Stöckl-Schule (RSS) ist im Bereich E-Mobilität einer von sechs Schulungsstandorten in Hessen.

Möglich machen dies ein neues Elektroauto und zwei neue Trainer: Thorsten Träger, Lehrer für Kfz-Mechatronik, und Olaf Funke, Lehrer für Elektrotechnik, können ab sofort Kollegen aus ganz Hessen im Fach Hochvolttechnik schulen.

Die moderne Antriebstechnik, wie sie in Elektroautos verwendet wird, ist Bestandteil etwa in der Ausbildung für angehende Kfz-Mechatroniker und industrielle Mechatroniker. Um das Thema unterrichten zu können, müssen sich die Lehrer schulen lassen, in Theorie und Praxis. Weil dafür ein Elektroauto nötig ist, hat der Förderverein der RSS einen Kleinwagen gekauft und ihn für den Straßenverkehr zugelassen.

Künftig werden hessische Berufsschullehrer zum Blockunterricht nach Melsungen kommen und sich von den beiden Trainern schulen lassen. Dann können sie den Hochvolttechnik-Schein erlangen und damit E-Mobilität im eigenen Unterricht praktisch umsetzen. Mittelfristig sollen sich Kfz-Mechatroniker, die bereits in Werkstätten arbeiten, an der RSS weiterbilden lassen, kündigte Markus Gille, Abteilungsleiter Technik an der RSS, an. Weitere Schulungsstandorte sind in Kassel, Frankfurt, Hanau, Wiesbaden und Darmstadt.

Schulleiter Hans Bernd Richter hat das neue E-Auto der Radko-Stöckl-Schule schon getestet. Er ist einmal durch den Stadtwald gefahren und war erstaunt, „wie viel Fahrspaß das macht“, sagte er bei der Übergabe des Kleinwagens, der komplett mit Strom fährt, an die Melsunger Berufsschule. Damit sollen die angehenden Kfz-Mechatroniker die neue Technik an Elektroautos lernen.

Das Besondere: Das Auto wurde mit Preisgeld finanziert. 2014 wurde der Landkreis für das schuleigene Technikhaus Energie Plus mit dem Kommunalen Klimaschutz-Preis ausgezeichnet. Die Stadt Melsungen hat den Kauf gefördert. Den Rest hat der Förderverein der Schule finanziert.

„Das Auto ist ein weiterer Puzzlestein im Gesamtkonzept der Beruflichen Schulen“, sagte Landrat Winfried Becker. Er dankte den Technik-Lehrern: Sie mussten nämlich eine Zusatzqualifikation für Hochvolt-Technik erwerben, wofür sie den Inhalt eines 400 Seiten dicken Ordners im Eigenstudium lernen und anschließend Prüfungen in Theorie und Praxis ablegen mussten. Nun sind sie auf dem neuesten Technikstand und können ihn an die Schüler weitergeben.

„Hier beginnt Zukunft“, sagte Wolfgang Scholz, stellvertretender Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft und betonte die gute Zusammenarbeit von Schule und Ausbildungsbetrieben.

Die Hochvolttechnik ist ein wichtiger Ausbildungsbaustein für die angehenden Kfz-Mechaniker. Markus Gille Abteilungsleiter Technik an der RSS, gab ein Beispiel: „Wenn ein Auto auf der A 7 liegenbleibt und zu einer Autowerkstatt kommt, haben die Mitarbeiter dort oft ein Problem mit der neuen Technik.“ Erst seit einigen Jahren sind immer mehr Elektroautos in größerer Anzahl unterwegs - und deshalb ist die neue Technik mittlerweile Teil der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker.

Kay-Henric Engel vom Förderverein betonte, dass Bildung durch Anschauung und Mitmachen lebe, nicht nur durch Frontalunterricht. Weil das Auto auf den Verein zugelassen ist, kann es ausgeliehen werden: Das ist für Mitglieder des Fördervereins gegen eine Gebühr möglich. Alle anderen müssten dem Verein beitreten.

E-Auto in Zahlen:

2 Erwachsene und drei Kinder haben im E-Auto Renauld Zoe maximal Platz, jedoch können nicht alle Kinder auf Kindersitzen mitfahren. Es ist lediglich für eine Sitzschale Platz.

5 Türen hat das E-Auto der Radko-Stöckl-Schule.

65 KW ist die Leistung des E-Mobils, das bei einem herkömmlichen Auto einer Leistung von 88 PS entspricht.

140 Stundenkilometer fährt das Elektroauto maximal.

19.000 Euro hat das E-Auto gekostet. Es hat unter anderem Rückfahrkamera, Alufelgen, Winter- und Sommerreifen und ein Navigationssystem.

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