Sprachpaten für Flüchtlinge in Melsungen gesucht

Viel Besuch: Täglich kommen Flüchtlinge in der Integrationsstelle vorbei und benötigen Hilfe oder einen Ratschlag. Heiko Bamberger und Theresa Adenekan helfen, wo sie können. Im Bild der Zugang zum Büro am Huberg 4 in der Harningsmühle. Foto: Dewert

Melsungen. Theresa Adenekan und Heiko Bamberger kümmern sich um die etwa 90 Flüchtlinge, die derzeit in Melsungen leben.

Die beiden Integrationskoordinatoren organisieren Deutschkurse, helfen bei Ämtergängen und vermitteln Familienpaten.

„Der Bedarf an Hilfe ist sehr groß“, erzählt Adenekan. Die 49-Jährige aus Lagos in Nigeria ist seit Dezember mit 15 Stunden im Amt, aber irgendwie sei sie immer im Dienst, sagt sie und lacht.

Menschen aus 20 Nationen leben in Melsungen - sie kommen unter anderem aus dem Iran, Syrien, Somalia und Myanmar. „Die Menschen kennen die Sprache und die Mentalität in Deutschland nicht. Sie scheitern manchmal an ganz einfachen Dingen wir dem Einkaufen und der Mülltrennung“, sagt die 49-Jährige.

Häufig kämen die Flüchtlinge auch einfach zum Reden in das Büro in der Harningsmühle am Huberg. Viele der Flüchtlinge seien einsam, hätten privat kaum Anschluss. Bei einer Familie aus dem Kosovo sei sie nach Jahren der erste Besuch gewesen, berichtet sie.

Manche Flüchtlinge seien erst seit wenigen Wochen in Deutschland, kämen aus den Erstaufnahmelagern, andere seien schon seit Monaten oder Jahren in Deutschland.

Für sie alle gibt es in Melsungen jetzt verschiedene Angebote:

• zum Beispiel das Kontaktcafé der Kirche in der Pfarrscheune (nächster Termin ist am 2. September ab 16 Uhr).

• Eltern-/Müttercafé jeden Montag vom Familienbüro in der Harningsmühle mit Angeboten für Eltern mit jungen Kindern.

• ganz neu das ökumenische Friedensgebet der Vereinten Nationen.

• Private Veranstaltungen wie Fahrradtouren mit Roland Wex, Stadt- und Werksführungen.

An allererster Stelle müsse die Sprache stehen, sagt Anke Kothe vom Förderverein für ein zukunftsfähiges Melsungen, dem Trägerverein der Koordinierungsstelle. Bezahlt werden Adenekan und Bamberger von der Stadt und aus Spenden. Die Stellen sind vorerst befristet auf zwei Jahre. Einige Flüchtlinge sprächen zwar Englisch, aber die Hürde Sprache müsse genommen werden. Daher würden immer Sprachpaten gesucht. Menschen, die den Flüchtlingen in kleinen Gruppen die deutsche Sprache beibringen. Für anerkannte Asylbewerber gebe es einen verpflichtenden Intensivkurs mit 600 Stunden.

Von den schweren Schicksalen und den teils traumatischen Fluchten erfahren Adenekan und Bamberger meist nur am Rande. „Wir hören gerne zu, wenn jemand mit uns reden möchte, aber wir fragen nicht nach“, sagt Adenekan.

Viel Empathie

Die meisten Flüchtlinge seien sehr offen und interessierten sich auch für einander. Bewegt habe ihn, sagt der 44-jährige Bamberger, wie nahe vielen Flüchtlingen die Krankheit und der Tod eines Mitflüchtlings aus Pakistan gegangen sei. Der Mann habe im Krankenhaus in Kassel im Koma gelegen und immer wieder seien Menschen aus Melsungen zu ihm gefahren und hätten am Bett des Kranken gewacht.

Menschen, die Lust haben, sich für die Flüchtlinge zu engagieren, können dies beispielsweise als Sprach- und Familienpaten tun. Sprachpaten sollten neben Deutsch zumindest Englisch sprechen. In Kleingruppen mit bis zu vier Teilnehmern wird Deutsch gelernt. Familienpaten können stundenweise nach eigener Einteilung bei Ämtergängen helfen, sich in den Familien engagieren, Arztbesuche organisieren und vieles mehr. Die Patenschaften sollen als Projekt verstanden werden und können in Dauer und Umfang begrenzt werden. Interessierte können sich an Adenekan und Bamberger wenden.

• Kontakt: unter Tel. 05661/9261936 und per E-Mail: integrationsstelle@melsungen.de

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