Trotz Erdkabel Kritik an neuer Stromtrasse in Nordhessen

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Gleichstrom-Erdkabel: Auf der Hannovermesse zeigen Peter Gosslar von der Bürgerinitiative für HGÜ und Raphael Görner von ABB ein Erdkabel im Modell 1:1. Die Kabel werden mit 13 Zentimeter Durchmesser, die in einem 1,50 Meter tiefen Graben mit etwa 70 Zentimeter Breite liegen, verlegt.

Melsungen. Die hochumstrittene Stromtrasse Südlink führt nicht mehr als Freileitung durch Nordhessen, sondern als Erdkabel. Acht Milliarden Euro Mehrkosten ist das der Bundesregierung wert.

Massive Kritik hatte es auch an der Informationspolitik des Netzbetreibers Tennet gegeben. Die vom Bundeswirtschaftsministerium finanzierte Initiative Bürgerdialog Stromnetz soll daher beim zweiten Anlauf für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen - beispielsweise mit Informationsveranstaltungen.

In Nordhessen ist dies offenbar noch nicht gelungen. 60 Teilnehmer, überwiegend Mitglieder von regionalen Bürgerinitiativen, waren zur ersten Veranstaltung dieser Art in die Melsunger Kulturfabrik gekommen.

Kritikpunkt Nummer eins: Es gehe nur noch um die Frage, wie ausgebaut werde, nicht darum, ob Südlink überhaupt notwendig sei. Der Grundsätzliche Bedarf werde angezweifelt, erklärte Dr. Peter Ahmels von Bürgerdialog Stromnetz. Alle Untersuchungen zeigten aber, dass mit dem Atomausstieg eine dezentrale Versorgung der süddeutschen Ballungsräume nicht ganzjährig möglich sei.

Laut Grobplanung von Tennet werden die beiden Stränge von Südlink Nord- und Osthessen durchqueren. Bisher sind lediglich die jeweiligen Start- und Endpunkte mit einer geraden Linie verbunden. Der Trassenverlauf solle sich zwar an dieser Luftlinie orientieren, werde auf regionale und geografische Besonderheiten Rücksicht nehmen, sagt Mikiya Heise, Sprecher von Bürgerdialog Stromnetz.

Die Grobplanung führe durch Städte und Dörfer, diese Trassenführung werde so in der Praxis nicht umgesetzt, sagt Ahmels. Bis auf Nordrhein-Westfalen hätten die Länder bei Erdkabeln aber keine Mindestabstände zur Wohnbebauung definiert. Bei der der Trassenplanung sollen sich möglichst viele Menschen einbringen.

Der Bürgerdialog Stromnetz (BDS) ist eine Initiative, die vom Bundeswirtschaftsministerium finanziert wird. Sie soll den Dialog fördern, informieren und die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen. Sie ist nach eigener Aussage unabhängig von den Übertragungsnetzbetreibern. Alle Inhalte werden von Bürgerdialog Stromnetz selbst erarbeitet und nicht abgestimmt. „Wir sind auch frei in unserer Kommunikation“, sagt BDS-Sprecher Mikiya Heise. In Kassel gibt es ein Bürgerbüro von BDS. Außerdem werden alle im Internet an BDS gerichteten Fragen beantwortet.

• Kontakt: BDS Kassel unter Tel. 0561/350294690,

www.buergerdialog-stromnetz.de

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