Mammutprozess in Kassel: Räuberischer Angriff bei Morschen

Melsungen/Kassel. Einen Mammutprozess mit 31 Verhandlungstagen erwartet die 5. Große Strafkammer des Landgerichtes. Der Sachverhalt ist spektakulär: Es geht um Entführung mit Waffengewalt, Freiheitsberaubung und einen räuberischen Angriff bei Morschen.

Auf der Anklagebank sitzen zwei 39 und 42 Jahre alte Männer aus Kassel und dem Landkreis Kassel sowie zwei 31 und 39 Jahre alte Männer aus Wuppertal. Laut Oberstaatsanwalt Dr. Götz Wied soll das Quartett geplant haben, einen Lastwagen zu überfallen und auszurauben.

Umgesetzt wurde der Plan laut Anklage am 20. Mai 2015. Zwei der Täter sollen sich dazu Polizeiuniformen angezogen und den Lastwagen an der B 83 zwischen Alheim und Morschen unter Vortäuschung einer Polizeikontrolle in eine Parkbucht gelotst haben. Den 53-jährigen Fahrer bedrohten sie mit einer Pistole, fesselten ihn mit Kabelbindern und zwangen ihn dazu, sich auf den Schlafplatz seines Fahrzeugs zu legen.

Der Lkw wurde dann, so Wied, von einem der Täter in ein nahegelegenes Waldstück gefahren, wo 7,5-Tonner bereitstanden, auf die die Ersatzteile für Motoren im Wert von 40.000 Euro umgeladen werden sollten. Doch dazu kam es nicht mehr: Die Männer wurden von einem Zeugen gestört und ergriffen die Flucht.

Die Ermittlungen nach den Tätern, auf die es keine Hinweise gab, seien äußerst schwierig gewesen, erläuterte Wied. Erst durch die Kombination verschiedener Ermittlungen wie Zeugenhinweise auf verdächtige Lkw, die Auswertung von Überwachungsvideos an einem Autohof, abgehörte Telefongespräche und DNA-Untersuchungen hätten auf die Spur der Täter geführt.

Weil die vier Männer, die alle in Untersuchungshaft sitzen, nicht geständig sind, muss ihnen die Tat in einem aufwendigen Indizienprozess nachgewiesen werden, erläuterte der Oberstaatsanwalt. Los geht es am Dienstag, 11. Oktober, um 9 Uhr in Saal D 130.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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