Bemühen von Spangenberger Initiative

Gedenken an Judendeportationen: Hauseigentümer verhindern Stolpersteine

Die Spangenberger Initiative Stolpersteine mit (von links) Karl-Heinz Wohlgemuth, Dr. Dieter Vaupel, Fides Baumgart und Marion Regenbogen vor der ehemaligen Synagoge in Spangenberg. Foto: Brandau
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Die Spangenberger Initiative Stolpersteine mit (von links) Karl-Heinz Wohlgemuth, Dr. Dieter Vaupel, Fides Baumgart und Marion Regenbogen vor der ehemaligen Synagoge in Spangenberg.

Spangenberg. Die Spangenberger Initiative Stolpersteine hat 18 neue Gedenksteine bestellt - wird aber voraussichtlich keinen davon verlegen können. Denn trotz aller Bemühungen sei es nicht gelungen, die notwendige Einverständniserklärung der letzten sieben Eigentümer zu erhalten, vor deren Häusern ein Stein verlegt werden sollte.

Das teilt Dr. Dieter Vaupel mit. Deshalb habe man die für den 5. September geplante öffentliche Verlegeaktion mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig absagen müssen, der die Idee vor knapp 20 Jahren ins Leben gerufen hatte.

Die Initiative hat bereits in einer ersten Aktion vor sechs Jahren insgesamt 16 Steine vor Spangenberger Häusern setzen lassen. Doch für eine erneute und zugleich letzte Verlege-Aktion fehlen ihr die Genehmigungen der Hauseigentümer - und deren Zustimmung ist laut einem Parlamentsbeschluss aus dem Jahr 2006 unbedingt erforderlich.

Nun sollen die Gedenksteine in einer Vitrine im Spangenberger Rathaus ausgestellt und aufbewahrt werden. Zumindest so lange, bis eine einvernehmliche und langfristige Lösung gefunden wird. Die Kritik der Initiative: Es gebe keine Unterstützung seitens der Politik: „Weder gab es eine Mehrheit noch ein klares Signal für unsere Sache“, kritisiert Dieter Vaupel. Bürgermeister Peter Tigges dementiert das. Die Spangenberger Politik habe sich stets ihrer Verantwortung gestellt.

Ein solch konsequentes Nein zu einer geplanten Aktion sei tatsächlich ungewöhnlich im Landkreis, sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung. Die Stolpersteine seien fast überall längst als wichtige Erinnerungsarbeit akzeptiert, in mehr als der Hälfte der 27 Städte und Gemeinden des Landkreises seien sie bereits verlegt worden. Ganz neu ist eine Weigerung aber nicht, auch in Fritzlar etwa werden einige Stolpersteine im Stadtarchiv verwahrt.

Das Mahnmal wächst weiter 

Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig (66) initiierte 1995 die Idee, Gedenksteine für die Menschen zu verlegen, die von den Nationalsozialisten verschleppt und getötet wurden. Die Steine sollen an ihr Schicksal erinnern, die Inschrift nennt Namen, Geburts- und Todestag und das Konzentrationslager, in denen die Menschen ermordet wurden.

Das Projekt hat sich mit 45.000 Steinen (Stand Juli 2013) in 820 deutschen und 200 ausländischen Städten zum weltweit größten dezentralen Mahnmal entwickelt: Die Steine liegen in Deutschland und 17 weiteren Ländern. Demnig studierte und arbeitete von 1970 bis 1985 an der Universität Kassel.

Von Claudia Brandau

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