Zwei Torah-Rollen für neue Synagoge der Gemeinde Emet we Shalom

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Vor dem Torah-Schrein: Rabinnerin Irit Shillor aus England (links) und die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Emet we Shalom, Deborah Tal-Rüttger.

Felsberg. Die neue Synagoge der Liberalen jüdischen Gemeinde Emet we Shalom, Wahrheit und Frieden, ist klein. Dennoch ist sie der zentrale Ort für die nordhessenweit 20 Mitglieder. Am Sonntag werden zwei Torah-Rollen feierlich in die Synagoge eingeführt.

Eine Rolle ist ein Geschenk aus Dayton (Ohio, USA) von der Dachorganisation der progressiven jüdischen Gemeinden. Dafür stand die hiesige Gemeinde zehn Jahre auf der Warteliste.

Die zweite Rolle ist eine Dauerleihgabe des Fritzlarer Doms. Von ihr zu erfahren, war eher Zufall. Deborah Tal Rüttger vom hiesigen Vorstand gibt beider Vokshochschule unter anderem Hebräisch-Kurse. Eine ihrer Schülerinnen hatte von der Torah-Rolle erfahren. Sie sprachen mit Herrn Conrad von den Prämonstratensern. „Es dauerte lange, bis eine Entscheidung gefallen war“, berichtet Tal-Rüttger.

Außerdem hatte die Rolle einen Wasserschaden und Passagen waren nicht gut lesbar. Damit war die Rolle nicht mehr koscher und musste restauriert werden. Die Kosten haben sich die katholische und die jüdische Gemeinde zu zwei Dritteln und einem Drittel geteilt.

Wie der Dom zu der Rolle kam, ist nicht ganz klar: Entweder wurde sie in einem Antiquitätengeschäft oder auf einem Flohmarkt gefunden. Jedenfalls kaufte die Dom-Gemeinde sie für ihre Handschriftensammlung.

Mit dem Geschenk und der Dauerleihgabe - ein Zufall, dass dies zeitlich zusammen fällt - verfügt die kleine jüdische Gemeinde über drei Rollen für ihre Gottesdienste. „Eine Gemeinde braucht mindestens zwei“, erklärt Tal-Rüttger, „weil während des Gottesdienstes aus verschiedenen Stellen gelesen wird.“

Aufbewahrt werden die kostbaren Schriften in einem Schrank, ein Geschenk der Liberalen Gemeine in Hameln. Von rechts oben nach links unten st er verziert mit den ersten zehn Buchstaben des hebräischen Alphabets, die für die Zehn Gebote stehen.

Die Torah-Mäntel, die vor Staub schützen, hat eine englische Künstlerin genäht, ebenso das Tuch für das Lesepult. Der silberne Schmuck für die verhüllten Torah-Rollen stammt aus Israel - eine feine Ziselierarbeit in jemenitischer Tradition - und aus England, eine moderne Arbeit. Der Torah-Schmuck bestehe grundsätzlich aus Silber oder Gold, weil beide Metalle zu weich sind, um daraus Waffen zu schmieden. Denn die Torah-Rollen stehen für Frieden, Shalom.

Hintergrund

Eines der Kennzeichen der Liberalen jüdischen Gemeinden ist die Gleichberechtigung von Männern und Frauen auch im synagogalen Leben: Frauen leiten Gottesdienste, und es gibt Rabinerinnen - in orthodoxen Gemeinden undenkbar. Der Ursprung des progressiven Judentum liegt im Deutschland des 18. und 19. Jahrhunderts. Progressiv, das heißt: Traditionelles wird an modernes Leben angepasst.

Die Liturgie des Gottesdienstes findet beispielsweise in Hebräisch und in der Landessprache statt. Gebete, deren Inhalt nicht mehr zeitgemäß ist, werden vermieden. Der inhaltliche Sinn von Geboten hat Vorrang gegenüber der verbindlichen Festlegung als Zeremonialgesetz. Andere Religionen werden geachtet.

Das progressive Judentum war bis zur Shoa (Holocaust) die in Deutschland vorherrschende Richtung. (bmn)

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