Sprecherin kritisiert Versäumnisse

Initiative für Bodenfelde sagt: „K+S schuld an Dilemma“

Bodenfelde. Sich für die Arbeitsplätze der Kalikumpel bei K+S einzusetzen, ist absolut verständlich und zu unterstützen. Der Adressat der Aktion sei aber der Falsche.

Dieser Ansicht ist Annette Müller-Zitzke von der Initiative für Bodenfelde. In einem offenen Brief schreibt sie als Reaktion auf die Menschenketten-Demonstration im Revier, dass die aktuelle Problematik ausschließlich Versäumnissen der K+S-Unternehmensführung zuzurechnen ist.

Weder das Regierungspräsidium Kassel noch das Umweltministerium haben ein Interesse daran, leichtfertig eine ganze Region zu beschädigen. K+S habe kein aussagefähiges Grundwassermodell vorgelegt, das die Unbedenklichkeit weiterer Verpressungsmengen für Trinkwasserbestände ausweisen und damit eine Versenkerlaubnis wahrscheinlich mache.

Zu dem Engpass in der Entsorgung sei es nicht plötzlich und unerwartet gekommen. Er sei absehbar gewesen. K+S hätte durch das Erarbeiten umweltverträglicher alternativer Entsorgungsmaßnahmen – auch in Verantwortung für die Arbeitsplätze – diesen Zustand verhindern können und müssen.

Schon die Versenkerlaubnis von 2007 bis 2011 war wegen nicht auszuschließenden Gefährdungen der Trinkwasserbestände umstritten. Mit der Erlaubnis bis 2015 musste K+S davon ausgehen, dass es keine erneute Verlängerung gebe.

Annette Müller-Zitzke

„Hat man sich in der K+S-Führungsetage in all den Jahren, statt verantwortlich zu handeln, in aus unserer Sicht unverantwortlich leichtfertiger Weise darauf verlassen, dass alles schon so weiter gehen werde?“ fragt die Sprecherin der Initiative. Auch Gewerkschaft und Betriebsrat hätten diesem Vorgehen stets tatenlos zugesehen.

An die Organisatoren und Unterstützer der Menschenkette gerichtet, schreibt Müller-Zitzke, es könne nur als „grob fahrlässig und entsetzlich populistisch“ bezeichnet werden, wenn man sich diesem Sachstand verschließe und die Unternehmens-Forderung nach weiteren Versenkungen unterstütze.

Führung hinterfragen

Die K+S-Führung müsse hinterfragt und aufgeforderte werden, endlich nachhaltig tätig zu werden. Jene K+S-Führungskräfte, die Seite an Seite mit Politikern, Mitarbeitern und Angehörigen standen, als hätten sie auf die prekäre Entwicklung genauso wenig Einfluss, wie jeder einfache Kali-Kumpel, verschieben aus Sicht der Initiative geschickt die Verantwortung. Das sei eine absurde Verdrehung der tatsächlichen Zusammenhänge.

Die Demonstranten sollten sich über die große Schlagzeile „Arbeitsplätze bedroht“ hinaus informieren und den Mut haben, über parteipolitische Grenzen, Beziehungen, Abhängigkeiten und Plattitüden hinweg, sachlich die tatsächlichen Zusammenhänge ergründen. Nur so setze man sich nachhaltig ein für die Menschen und die gesamte Kali-Region.

K+S müsse die geforderten Auflagen erfüllen und innovative und zukunftsorientierte Entsorgungsverfahren umsetzen, dann hätten das Revier und die Arbeitsplätze vielleicht noch eine Perspektive, so die Sprecherin. (jde)

Rubriklistenbild: © dpa

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