Therapeut auf vier Pfoten: Hündin Pina aus Hardegsen hilft bei Behandlung

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Stressresistent, geduldig und kinderlieb: Das sind wichtige Voraussetzungen, damit Hunde als Therapiehunde ausgebildet und eingesetzt werden können.

Hunde können nicht nur der beste Freund des Menschen sein, sondern auch heilen. Davon profitieren verhaltensauffällige Kinder, Menschen mit Behinderungen und Demenzkranke.

Schon früh habe sie gemerkt, dass ihre Hündin Pina positive Wirkungen auf andere Menschen hat, sagt Ilona Bredenschey. Ältere Menschen versuchten trotz körperlicher Einschränkung mit dem Tier zu spielen, Kinder wurden in Gegenwart des Hundes ruhiger und aufmerksam. Das brachte die Allgemeinmedizinerin aus Hardegsen auf eine Idee. Als Pina ein Jahr alt war, begann sie mit ihr eine Ausbildung zum Therapiebegleithunde-Team. Seit Juli 2015 sind beide nun gemeinsam für Patienten im Einsatz. Sechs Stunden pro Woche wird Pina eingesetzt.

Ausbildung

Therapeut auf vier Pfoten: Hündin Pina mit Frauchen Ilona Bredenschey.

In der Ausbildung ist nicht nur der Hund gefordert, sondern auch der Mensch. So umfasste der Kurs, den Ilona Bredenschey über ein halbes Jahr am Wochenende absolvierte, unter anderem medizinisch-pädagogischen Unterricht. Die Hunde lernen in der Ausbildung, ihr typisches Verhalten abzulegen. „Normalerweise würde Pina ihr Futter verteidigen. Aber sie weiß, dass sie nicht zuschnappen darf, wenn man ihr Leckerlis oder Spielzeug wegnimmt“, erklärt Bredenschey. Ein Therapiehund müsse es dulden, wenn er plötzlich angefasst oder in seiner Ruhe gestört werde und wenn Kinder laut schreien. Die Ausbildung endet mit einer theoretischen und praktischen Prüfung.

Therapie mit Senioren

Die Einsatzgebiete von Pina sind vielfältig. „Ich gehe zum Beispiel regelmäßig mit ihr ins Seniorenheim“, berichtet Bredenschey. Durch Füttern, Streicheln und Spielen mit dem Hund verbessere sich bei den Senioren die Grob- und Feinmotorik. Soziale und emotionale Kompetenzen würden ebenso gefördert wie die Merkfähigkeit. „In der Therapie werden alle Sinne angesprochen“, erklärt sie. „An den Stunden nehmen zum Beispiel Patienten mit Parkinson, Demenz oder neurologischen Defiziten nach einem Schlaganfall teil.“

Psychologie

Für Patienten mit psychischen Erkrankungen ist die tiergestützte Therapie ebenfalls geeignet. „Hunde sind authentisch, sie können sich nicht verstellen. Manchen Patienten fällt es deshalb leichter, Vertrauen zu einem Tier zu fassen als zu einem Menschen“, erklärt die Ärztin. Demenzpatienten oder Autisten bekämen über den Hund leichter einen Zugang zur Umwelt. „Menschen mit Sprachstörungen fangen plötzlich an, mit dem Hund zu reden“, sagt sie.

Hilfe für Kinder

Kinder können durch den Umgang mit dem Tier zum Beispiel Ängste und Hemmungen abbauen. „Verschlossene und unsichere Kinder gewinnen Selbstvertrauen, hyperaktive Kinder werden durch die Anwesenheit des Hundes ruhiger“, erklärt die Ärztin. Auch im Sportunterricht kann der Einsatz des Hundes sinnvoll sein: Übergewichtige Kinder werden spielerisch angeregt, sich zu bewegen.

Kosten

Die Kosten müssen Patienten bei Ilona Bredenschey aus eigener Tasche zahlen. Sie werden nicht von der Krankenkasse übernommen. Im persönlichen Gespräch sollte deshalb vorher geklärt werden, ob die Therapie geeignet ist.

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