Willershausen

Mieter hinterlassen Chaos-Haus: Müll, Dreck, hoher Schaden

+
Absoluter Irrsinn: In den Dachboden haben die Vormieter offenbar versucht, eine Türklinke in den Boden einzubauen. Die Sägespähne von den Bohrarbeiten sind noch sichtbar.

Willershausen. Seit 14 Tagen versucht Heidemarie Zietz das wieder aufzubauen, was sie 1974 mit ihrem damaligen Mann eigenhändig geschaffen hat.

Die 72-Jährige, die heute in Langenholtensen wohnt, hat mit den Folgen von Mietnomaden zu kämpfen. Berge von Müll, Dreck aus sechs Jahren und Schaden in fünfstelliger Höhe setzen der Vermieterin nicht nur finanziell zu, sondern auch körperlich.

Die Geschichte beginnt im Juni 2010, als die fünfköpfige Familie aus dem Alten Amt in der Berliner Gasse einzieht. „Die Mutter hat einen einwandfreien Eindruck gemacht, war sehr sympathisch und hat sich gut verkauft. Ich war begeistert“, weiß Zietz noch genau. Das Haus mit 211 Quadratmetern Wohnfläche, dazu kommen Keller, Dachboden und Garten, hat sie für 700 Euro vermietet.

Problemlos lief das Mietverhältnis bis 2015. Dann wurde es schwierig. „Die Nachbarn haben sich beschwert, dass im Garten nichts mehr zurückgeschnitten wurde. Dann wurde unregelmäßig Miete gezahlt“, berichtet Zietz. Mit kuriosen Ausreden wie „Wir schneiden das in Kürze zurück“ und „Ich konnte das Geld nicht überweisen, bei der Bank sind alle Computer ausgefallen“, wurde versucht, die Vermieterin zu beschwichtigen. „Immer wieder habe ich das Gespräch angeboten, getan hat sich aber nichts“, erzählt die 72-Jährige sichtlich verzweifelt. Schlimmer noch: Sie wurde von der Mieterin angeschrien, ein normales Gespräch war offenbar nicht möglich, Zahlungsrückstände gab es nicht nur bei der Miete und so erlitt Vermieterin Zietz zu Weihnachten 2015 einen Schlaganfall.

Mit einem Anwalt hat sie die Familie, die zwischenzeitlich auch zu siebt in dem Haus lebte, jetzt herausklagen können. Um die Mietnachzahlungen hat Zietz geklagt, auf den Schaden allerdings nicht. „Das sind Prozesskosten, die ich erstmal tragen müsste. Glauben Sie, dass ich da noch etwas bekomme? Ich nicht“, begründet die Vermieterin.

Berge von Müll, Dreck aus sechs Jahren und Schaden in fünfstelliger Höhe setzen der Vermieterin Heidemarie Zietz zu.

Das Bild, das sich im Haus bietet, ist erschreckend. Türen sind aus der Verankerung gebrochen, Toiletten stehen vor Dreck, ebenso die Teppiche. Unerklärlich ist Zietz, warum auf dem Dachboden versucht wurde, in den Boden eine Türklinke ins Nichts zu installieren - ebenso wie ein Loch in der Wand in einem anderen Raum. Etliche Tage hat es gedauert, Müll zu sortieren und einen Überblick zu bekommen. In den Schränken hängen Kleidungsstücke, technische Geräte liegen herum und Gläser und Teller sind in den Schränken im Haus verstreut, ebenso Bierflaschen. Um überhaupt Herr der Verschmutzung zu werden, hat die Seniorin sogar Salzsäure besorgt. „Solche Toiletten abbauen zu lassen, kann man keinem zumuten“, sagt Zietz.

Warnung für Vermieter 

Heidemarie Zietz möchte andere Vermieter warnen, sich genau anzuschauen, wem sie die eigenen vier Wände überlassen. Bis Jahresende soll die Sanierung abgeschlossen sein. Erst dann kann sich Zietz mit ihrem Lebensgefährten wieder erholen. Sie plagt die Frage: „Wie kann man einem Menschen so etwas antun?“

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.