Hektische Reaktionen hinter den Lenkrädern

Bei schwerem Unfall mit Pferd auf der A7: Kaum einer bildete Rettungsgasse

Die Einsatzkräfte erwartete nicht nur schwere Arbeit am Einsatzort, sondern die Fahrt zur Einsatzstelle an sich wurde bereits zur Herausforderung. Foto: Mennecke

Echte. Kaum ein Thema wurde in den vergangenen Monaten so intensiv in den Medien behandelt wie die Rettungsgasse. Die Botschaft ist aber noch immer nicht überall angekommen, kritisiert HNA-Redakteur und Feuerwehrmitglied Konstantin Mennecke. Eine persönliche Betrachtung.

Das jüngste Beispiel, der schwere Unfall mit einem Pferd auf der A7, zeigt, dass eine breite Medienoffensive zum Thema Rettungsgasse und auch Hinweisschilder an etlichen Brücken in Nordhessen und Südniedersachsen offenbar nicht ausreichen, um Verkehrsteilnehmer zu sensibilisieren.

Wieder einmal gab es hektische Reaktionen hinter den Lenkrädern der Auto- und Lastwagenfahrer, als plötzlich Großfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn auf der Autobahn stehen und nichts mehr geht. Stau mitten in der Nacht auf Deutschlands größter Autobahn - keine Baustelle, kein Ferienverkehr weit und breit. So mancher Fahrer hätte von selbst darauf kommen können, dass da etwas nicht stimmen kann.

Kein Feuerwehrmitglied steht nachts um drei Uhr bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf, weil das Blaulicht im Dunkeln so toll aussieht und das Martinshorn so viel Krach macht. Sondern weil in Not geratene Hilfe brauchen. Weil es immer wieder um Sekunden geht. Manchmal Familien mit ihren Kindern verunglückt sind - es sind gefühlt tausende Gedanken, die einem auf dem Weg zum Einsatz durch den Kopf gehen.

Das Allerletzte was Rettungskräfte, ganz gleich ob von Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei, dann gebrauchen können, ist eine fehlende Rettungsgasse. Und doch vermisst man sie immer und immer wieder. Brummi-Fahrer, die ihre Arme im Führerhaus hochreißen und auf den Vordermann verweisen, wenn Einsatzkräfte kopfschüttelnd und genervt von der Situation vorbeifahren, oder es zumindest versuchen, ohne sich beide Außenspiegel abzufahren, helfen niemandem.

Aufklärungsarbeit ist eine richtige und wichtige Sache. Die 20 Euro, die Verkehrsteilnehmern drohen, wenn sie keine Rettungsgasse bilden, wirken allerdings schier lächerlich. Sie sind ein geringer Preis für das Verstreichen von Sekunden, die im Zweifel über Leben und Tod entscheiden. In Österreich kostet das Ganze bis zu 2000 Euro. Wieso nicht auch bei uns?

Über den Autor: Konstantin Mennecke ist seit 2001 Mitglied der Feuerwehr Echte und als Gruppenführer für die Einsatzabwicklung und Ausbildung mitverantwortlich.

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