Hotel- und Gaststättengewerbe

Gewerkschaft: Mehr Beschäftigte durch Mindestlohn

Service teurer: Auch Aushilfen bekommen 8,50 Euro pro Stunde. Archivfoto: nh

Northeim. Die Auswirkungen des Mindestlohns auf das Hotel- und Gaststättengewerbe im Landkreis Northeim werden von der Gewerkschaft und Arbeitgebern unterschiedlich bewertet.

Der Mindestlohn hat im Landkreis Northeim für mehr Jobs im Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes gesorgt. Diese positive Bilanz zieht Manfred Tessmann, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) im Bereich Süd-Ost-Niedersachsen.

Ein Jahr nach der Einführung sei von dem „Schreckgespenst Mindestlohn“, vor dem auch die Arbeitgeber im Landkreis Northeim gewarnt hätten, nichts übrig geblieben, so Tessmann. „Anstatt Servicekräfte oder Küchenpersonal zu entlassen, haben Hotels, Pensionen, Restaurants und Gaststätten neue Kräfte eingestellt“, beschreibt er die Situation.

Insgesamt habe es im Landkreis Northeim im Juni des vergangenen Jahres rund 900 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gegeben. „Das sind 1,9 Prozent mehr als noch im Vergleichsmonat des Vorjahres, als es den Mindestlohn noch nicht gab.“ Hintergrund sei, dass etliche Arbeitgeber Mini-Jobs in reguläre Stellen umgewandelt hätten, und das nicht nur im Bereich der Gastronomie.

Der Arbeitsmarkt insgesamt habe sich im „Mindestlohn-Jahr 2015“ positiv entwickelt, betont Tessmann. Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro habe nicht nur den Beschäftigten gut getan, sondern auch dem Staat, weil weniger Menschen auf die Zahlung von Hartz-IV-Leistungen angewiesen waren.

Das Lohn-Plus habe außerdem für eine Steigerung der Kaufkraft im Landkreis Northeim gesorgt. Tessmann: „Denn Beschäftigte, die den gesetzlichen Mindestlohn bekommen, geben das zusätzlich verdiente Geld nahezu eins zu eins in den Konsum.“ Der Mindestlohn habe sich somit positiv auf die Wirtschaft ausgewirkt und ihr keinesfalls geschadet. Insofern müsse nun das Ziel sein, ihn möglichst rasch auf zehn Euro anzuheben.

Das sieht man auf der Arbeitgeberseite anders. Aus Sicht des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) hat sich der Mindestlohn keinesfalls positiv ausgewirkt. „Durch die Einführung des Mindestlohns wurden die Personalkosten um drei Viertel gesteigert“, sagt Renate Mitulla, Geschäftsführerin der Dehoga-Landesgeschäftsstelle in Hannover auf HNA-Anfrage. „Und das blieb natürlich nicht ohne Folgen für die Betriebe, weil diese erhöhten Kosten nicht einfach an die Kunden weitergegeben werden können.“

Insbesondere im ländlichen Raum wie im Landkreis Northeim habe das dazu geführt, dass viele Lokale ihre Öffnungszeiten einschränken mussten. „Manche haben sogar das Mittagsgeschäft eingestellt.“ Nicht nur der Mindestlohn an sich, sondern auch die damit verbundene Bürokratie sei eine große Belastung, fährt Mitulla fort. Die sei noch schlimmer ausgefallen als von den Betrieben befürchtet.

Durch die Einführung des Mindestlohns sei es für das Gaststättengewerbe sehr viel schwieriger geworden, mit Aushilfskräften flexibel reagieren zu können.

„Dehoga-Präsident Hermann Kröger hat im Vorfeld der Einführung den Mindestlohn als Gift für Wachstum und Investitionen bezeichnet“, sagt Mitulla. „Und an dieser Bewertung hat sich aus Sicht des Hotel- und Gaststättenverbandes auch ein Jahr nach der Einführung nichts geändert.“

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