Eltern und Schulen wollen sich wehren

Kritik am Landkreis: Northeim will Schulsozialarbeit nicht mehr zahlen

Northeim. Der Landkreis Northeim soll sich auch künftig an der Finanzierung der Schulsozialarbeit beteiligen. Diese Forderung wird von Elternvertretungen mehrerer Schulen erhoben.

Mit der Entscheidung, zum Ende des Jahres 2016 die finanzielle Beteiligung einzustellen, sei eine Verschlechterung der Schulsozialarbeit oder an manchen Schulen gar die komplette Einstellung zu erwarten, kritisiert Mario Lambrecht, Vorsitzender des Elternrates der Erich-Kästner-Schule Northeim.

Bereits am 8. September hatten sich Vertreter mehrerer Schulen getroffen, um einen Arbeitskreis zum Erhalt und zur Verbesserung der Schulsozialarbeit zu gründen. Beteiligt waren neben der Erich-Kästner-Schule die Gerhart-Hauptmann-Schule, die Gutenberg-Realschule und das Gymnasium Corvinianum aus Northeim, die Albert-Schweitzer-Schule aus Uslar und die Osterbergschule aus Bad Gandersheim.

Aufgrund immer höher werdender Anforderungen an Schüler, Eltern und Lehrkräfte übernehme die Schulsozialarbeit eine wichtige Rolle im Schulalltag, betont Lambrecht und verweist darauf, dass Schulsozialarbeiter Hilfe bei Problemen und Konflikten anbieten, Lehrkräfte unterstützen und als Vertrauenspersonen für Kinder und Eltern zur Verfügung stehen. „Es stellt sich die Frage, ob das dem Landkreis nicht bewusst ist.“

Auch aus Sicht des Kultusministeriums werde die Entscheidung des Landkreises als „übereilt und vorschnell“ beurteilt, so Lambrecht. Das gehe aus einer Stellungnahme hervor, die er auf Anfrage zu diesem Thema vom Kultusministerium erhalten habe.

Darin werde betont, dass es keinerlei Zusagen seitens des Ministeriums gebe, Schulsozialarbeiterstellen, die bisher durch den Schulträger gestellt worden sind, nun durch die Landesregierung besetzen zu lassen.

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel bestätigte auf HNA-Anfrage, dass der Landkreis Northeim sich Ende des Jahres aus der Finanzierung von Schulsozialarbeiterstellen zurückziehen werde und verweist darauf, dass seitens des Niedersächsischen Kultusministeriums bereits im Juni anerkannt worden sei, dass es sich bei der Schulsozialarbeit um eine Aufgabe des Landes handele.

Damit sei die stets vom Landkreis Northeim vertretene Auffassung zu diesem Thema bestätigt worden. Insofern habe der Landkreis Northeim vor dem Hintergrund der finanziellen Situation gar keine andere Wahl, als diese „freiwilligen“ Ausgaben einzusparen.

Fakt sei, dass das Land ab dem 1. Januar die Schulsozialarbeit übernimmt und mittlerweile Stellen für schulische Sozialarbeit ausgeschrieben hat. „Warum das allerdings weniger Stellen sind und manche Schulformen gar nicht mehr berücksichtigt werden, entzieht sich unserer Kenntnis“, so die Landrätin. „Wir haben nach Bekanntwerden der Initiative des Landes den unbefristet beschäftigten Schulsozialarbeiterinnen freigestellt, sich auf die vom Land ausgeschriebenen Stellen zu bewerben. Außerdem haben wir allen angeboten, hausintern auf Stellen zu wechseln, da ein entsprechender Bedarf besteht.“

Jens-Henning Schult, der als Leiter der Gutenberg-Realschule Northeim dem Arbeitskreis zum Erhalt der Schulsozialarbeit angehört, bedauert, dass mit der Umstellung der Finanzierung für die Schulsozialarbeitsfinanzierung eine Reduzierung der Stellen einhergeht. „Für die Gutenberg-Realschule bedeute das konkret, dass wir demnächst komplett darauf verzichten müssen.“ 

Bisher habe es für die Realschule und die Gerhart-Hauptmann-Schule zusammen eine Stelle gegeben, so Schult. Künftig werde nur noch eine halbe Stelle zur Verfügung stehen, die ausschließlich für die Gerhart-Hauptmann-Schule zuständig sein.“ Schult hofft, dass der Landkreis Northeim wenigstens eine Möglichkeit finden wird, zumindest den Verlust an Sozialarbeiterstellen ausgleichen zu können.

Unterschriftenaktion

Das nächste Treffen des Arbeitskreises zum Erhalt der Schulsozialarbeit findet am heutigen Donnerstag ab 18 Uhr in der Erich-Kästner-Schule Northeim statt. Alle Interessierte sind eingeladen, sich daran zu beteiligen. Wer den Arbeitskreis unterstützen möchte, kann sich auch an einer Unterschriftenaktion beteiligen. Die entsprechenden Listen liegen in vielen Schulen im Kreisgebiet aus.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.