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Mehr als jede zweite Kneipe machte dicht

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Northeim. Der Wandel in der Gastronomie-Szene hat den Kneipen im Landkreis Northeim weitaus mehr zugesetzt als im übrigen Niedersachsen. In den vergangenen zehn Jahren machte im Kreisgebiet mehr als jede zweite Schankwirtschaft dicht.

Das geht aus einer Steuererhebung des Landesamtes für Statistik hervor. Danach gab es im Jahr 2001 noch 149 Schankwirtschaften im Kreis Northeim. Im Jahr 2010 waren es nur noch 62.

In ganz Niedersachsen betrug der Rückgang laut Statistischem Bundesamt 41,2 Prozent. Damit liegt Niedersachsen beim Kneipensterben an zweiter Stelle in Deutschland. Nur in Hamburg schlossen in den vergangenen zehn Jahren mehr Schankwirtschaften (minus 48,1 Prozent).

„Es ist ganz schwer, das zu pauschalisieren“, sagt Sabine Strachalla vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Niedersachsen zu den Gründen für das Kneipensterben. In der Landeshauptstadt Hannover etwa sei mehr als die Hälfte der Eckkneipen geschlossen worden, dafür gebe es eine Zunahme von Filialen der Systemgastronomie wie „Cafe del Sol“. Andererseits fänden sich auch auf dem Land vereinzelt Betriebe, die sehr gut liefen.

Aus Sicht des Verbands bewirken mehrere Faktoren den Niedergang der Eckkneipen: „Eine kleine Kneipe hat nicht die Finanzkraft, um Geld in ein zeitgemäßes Ambiente zu stecken“, sagt Strachalla. Hinzu komme die Konkurrenz durch Gastro-Ketten und Systemgastronomie. In kleinen Orten seien auch Vereinsheime eine Konkurrenz für klassische Kneipen. Zudem habe das Rauchverbot einige Gäste ferngehalten.

Eine weitere Ursache sieht Strachalla in einem kulturellen Wandel. „Internet und Social Media ersetzen das Gespräch beim Bier in der Kneipe. Die jungen Leute sitzen lieber allein vor dem Computer. Das kann man bedauern, aber nicht wegdiskutieren.“

Von Tatjana Coerschulte

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