Pollen wären wichtige Nahrung gewesen

Hochwasserschutz: Stadt rodet für Bienen wichtige Sträucher

Ortstermin am abgemähten Bachlauf der Specke: Imker Uwe Utermark (vorne) zeigt Bauamtsleiter Claus Stumpe (rechts) und Rüdiger Grünhagen die Überreste der Essigbäume und Schneebeeren (kleines Bild). Der Pollen dieser Sträucher, die auch als „Knallerbsen“ bekannt sind, ist für Bienen wichtige Nahrung. Foto: Schwekendiek

Moringen. Hat der Hochwasserschutz Vorrang vor dem Schutz von Bienen und Insekten?

Über diese Zwickmühle haben ein Imker und das Moringer Bauamt bei einem Ortstermin an der Specke disktutiert.

Gut eineinhalb Wochen ist es her, dass die Stadt Moringen scheinbar wild wuchernde Büsche und Sträucher entlang des Bachlaufs der Specke abgemäht hat. Viele Anwohner dürfte es freuen, dass der Wildwuchs gestutzt wurde. Imker Uwe Utermark ist dagegen entsetzt. Er hat in der Nähe mehrere Bienenstöcke.

Ortstermin am abgemähten Bachlauf der Specke: Imker Uwe Utermark (vorne) zeigt Bauamtsleiter Claus Stumpe (rechts) und Rüdiger Grünhagen die Überreste der Essigbäume und Schneebeeren (kleines Bild). Der Pollen dieser Sträucher, die auch als „Knallerbsen“ bekannt sind, ist für Bienen wichtige Nahrung. Foto: Schwekendiek

„Der Pollen der abgemähten Sträucher hätte die Bienen bis in den Spätherbst hinein mit Nahrung versorgt“, beklagt er. Da die Tiere ohnehin immer weniger Nahrung fänden, seien die Schneebeeren und Essigbäume entlang der Specke von großer Bedeutung gewesen. Der rote Pollen des Essigbaums beispielsweise sei bis in den Herbst verfügbar und für die Versorgung der Bienen existenziell wichtig.

„Im vergangenen Jahr habe ich sechs Völker mit rund 200.000 Bienen eingewintert“, berichtet der Bienenvater. „Nur ein gutes Dutzend hat überlebt.“ Schuld daran seien auch die Monokulturen in der Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden und die abnehmende Zahl von Wildblumenfeldern und wild wachsenden Sträuchern.

Darüber hinaus hätten einige Schaf- und Bachstelzen in dem hohen Bewuchs an der Specke genistet, berichtet Utermark. Von ihnen fehlt seit den Grünpflegemaßnahmen jede Spur. „Auch für diese Tiere wurde Lebensraum vernichtet“, sagt er.

Der Leiter des Moringer Bauamts, Claus Stumpe, und sein Mitarbeiter Rüdiger Grünhagen zeigen Verständnis für die Sorgen des Imkers. Zugleich machen sie deutlich, dass das Abmähen der Böschung aus wichtigen Gründen erfolgt sei. „Wenn der Bach zugewachsen ist, kann es beim nächsten Dauerregen schnell zu Überschwemmungen kommen. Das müssen wir natürlich verhindern“, erklärt Stumpe. Innerorts habe die Stadt einen Pflege- und Sicherungsauftrag.

Damit das Wasser ungehindert fließen kann und es keinen Rückstau gibt, wurde der Bachlauf vor einigen Tagen an vielen Stellen ausgebaggert. „Das ist nur möglich, wenn die Böschung frei ist“, erklärt Stumpe. Dass die dort wachsenden Büsche so wichtig für Bienen und andere Insekten sind, sei ihm und seinen Mitarbeitern nicht bekannt gewesen.

Bei einem Ortstermin an der Specke einigen sich Utermark und Stumpe schließlich auf einen Kompromiss. „Wir werden künftig mehr darauf achten, ob es nicht möglich ist, bei der Grünpflege Sträucher zu erhalten“, verspricht Stumpe. „Mir ist wichtig, für dieses Thema zu sensibilisieren“, sagt Utermark. Er will sich weiter für den Erhalt von Lebensräumen für die Bienen einsetzen. 

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