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Theaterstück stellt KGS-Schülern wichtige Fragen zu Homophobie im Fußball

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Von: Friederike Steensen

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Sieht so ein schwuler Fußballer aus? Im Theaterstück „Steh deinen Mann“ spielte Schauspieler Matthias Damberg geschickt mit Vorurteilen und dachte mit den Schülern des „Darstellendes Spiel“-Kurses darüber nach, warum viele Fußballer ihre Homosexualität verbergen.
Sieht so ein schwuler Fußballer aus? Im Theaterstück „Steh deinen Mann“ spielte Schauspieler Matthias Damberg geschickt mit Vorurteilen und dachte mit den Schülern des „Darstellendes Spiel“-Kurses darüber nach, warum viele Fußballer ihre Homosexualität verbergen. © HNA/Steensen

Moringen. Warum trauen sich schwule Fußballer eigentlich nicht, offen zu ihrer Sexualität zu stehen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Theaterstück "Steh deinen Mann", das das Boat People Projekt aus Göttingen jetzt in der Kooperativen Gesamtschule Moringen aufgeführt hat.

Die beiden Männer küssen sich, langsam, vorsichtig, vor den leeren Rängen eines Fußballstadions. Die Kamera fährt um sie herum, fängt den Kuss von allen Seiten ein, eine scheinbare Ewigkeit lang. In der Damenumkleide am Sportplatz der Moringer Kooperativen Gesamtschule (KGS) breitet sich eine merkwürdige Spannung zwischen Kleiderhaken und Kacheln aus.

Die Zehntklässler, die eben noch kicherten und feixten, können plötzlich kaum noch auf den Bildschirm sehen. Zwei Männer küssen sich, lieben sich, stehen offen zu ihrer Homosexualität. Nach Outings von Politikern und anderen Pominenten scheint das eigentlich gesellschaftlich akzeptiert. Doch was ist mit Fußballe

Hintergrund

Der Begriff „Homophobie“ beschreibt ablehnendes Verhalten gegenüber Schwulen und Lesben – und ist in der Fußball-Szene offenbar weit verbreitet. Für schwule Fußballer bedeutet das oft ein karrierelanges Versteckspiel. Hier setzt das Theaterstück „Steh deinen Mann“ an: „Wir haben das Stück gemacht, weil es Leute gibt, denen es schlecht geht“, sagen Regisseur Reimar de la Chevallerie und Schauspieler Matthias Damberg. „Wir alle müssen verantworten, was diese Menschen ertragen müssen.“ Die Produktion des Theaterstücks wurde unter anderem vom Deutschen Fußballbund gefördert. Schulen und Sportvereine können eine Aufführung (idealerweise in einer Umkleidekabine) buchen. Alle Informationen dazu gibt es unter www.boatpeopleprojekt.de. (fst)

rn? Dieser Frage spürte das Göttinger Boat People Projekt jetzt in der Umkleide der KGS Moringen mit seinem Ein-Mann-Stück „Steh deinen Mann“ nach.

Darin fragt sich Fußballer Matthias (Matthias Damberg), warum sich mit Ausnahme von Thomas Hitzlsperger noch kein deutscher Profikicker geoutet hat. „Jeder 10. Mann in Deutschland ist schwul“, weiß Matthias. Dann müsste ja rein statistisch in jeder Fußballmannschaft einer auf dem Platz stehen. Woran soll man den erkennen? Und muss man das überhaupt? In dem geschickt komponierten Stück aus Monologen, Spielszenen, Video-Einspielern und interaktiven Phasen nimmt Damberg die Moringer Schüler mit auf eine gedankliche Reise: Er präsentiert Vorurteile („Schwule Fußballer sind stets gut gestylt, am ganzen Körper rasiert und mögen Parfum.“) und entlarvt sie mit Fotos berühmter Kicker. Er zählt Schimpfwörter für Homosexuelle auf, die den Schülern das Grinsen, aber auch Schamesröte ins Gesicht treiben. Er zeigt Interviews mit Fußballfans, die sich nicht vorstellen können oder wollen, dass einer ihrer Lieblingskicker (heimlich) auf Männer steht. Er fragt sich, ob eigene Mitspieler vielleicht schwul sind und wie sie die teilweise derben Sprüche in den Umkleidekabinen erlebt haben. Von den Schülern, die Damberg in sein Spiel mit dem Verdacht des Schwulseins einbindet, gibt es viel Applaus – und viel Offenheit bei der anschließenden Diskussion.

„Ist schon irgendwie komisch, zu sehen, wie zwei Männer sich küssen“, gibt etwa einer zu. „Warum ist das komisch?“ fragt Regisseur Reimar de la Chevallerie. So richtig weiß das keiner der Anwesenden, auch Regisseur und Schauspieler nicht. Angst? Mangelnde Gewohnheit? Ekel? Wie viele Vorurteile hat man selbst gegenüber Schwulen, auch wenn man sich selbst für tolerant hält? „Wie viele Schwule gibt es wohl an Eurer Schule?“ fragt Reimar de la Chevallerie. „Naja“, sagt ein Schüler zögernd. „Eigentlich zehn Prozent!“ Es ist plötzlich merkwürdig still, einige Schüler sehen sich vorsichtig um. Der Regisseur nickt. „Denkt mal drüber nach!“

Von Friederike Steensen

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