Hochzeit nach Erster Hilfe

Jutta Weber rettete ihren Mann vor dem Herztod

Dank der schnellen Reaktion seiner Frau hat er einen Herzstillstand überlebt: Hans Uwe und Jutta Weber führen zehn Monate später wieder ein fast normales Leben. Foto: Schwekendiek

Northeim. Vor zehn Monaten erlitt Hans Uwe Weber einen Herzstillstand. Seine Freundin Jutta griff beherzt ein - und rettete ihm so das Leben. Vor zwei Wochen hat das Paar geheiratet. Ihre bewegende Geschichte zeigt, wie wichtig Erste Hilfe ist.

Hand in Hand können Hans Uwe Weber und seine Frau Jutta heute in der Stadt spazieren gehen. Was für andere Menschen selbstverständlich ist, ist für das Paar aus Langenholtensen etwas ganz Besonderes. Denn um ein Haar wäre der 62-Jährige vor zehn Monaten gestorben. Am Morgen des 24. Novembers hörte sein Herz auf zu schlagen.

Hintergrund:

Vom 22. bis 26. September findet die deutschlandweite Woche der Wiederbelebung statt. Unter der Motto "Ein leben retten. 100 Pro Reanimation" veranstalten viele Kliniken und Hilfsorganisationen Aktionen rund um das Thema Herz-Lungen-Wiederbelebung. Auf der Internetseite www.einlebenretten.deerfahren Sie alles über Hintergründe und die Notwendigkeit der Wiederbelebung durch Ersthelfer. (jus)

„Gegen 6 Uhr habe ich gemerkt, dass er sich im Bett neben mir nicht mehr bewegt, nicht schnarcht und nicht mehr atmet“, erinnert sich Jutta Weber an den Moment, der das Leben der beiden veränderte. Zwar waren sie bereits liiert, wohnten aber noch an verschiedenen Orten. In Panik habe sie dann den Notruf gewählt und immer wieder versucht, ihren Mann wachzurütteln. Nichts passierte. „Da wusste ich, dass ich ihn wiederbeleben muss.“

Zwei Wochen zuvor hatte die 42-Jährige, die bei den Harz-Weser-Werkstätten arbeitet, einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. „Das war mein großes Glück“, sagt sie heute. Ohne zu zögern, begann sie mit der Herz-Druck-Massage. Neun Minuten später traf der Rettungsdienst ein. Eine halbe Stunde kämpften die Helfer um Hans Uwes Leben. Jutta Weber musste in dieser Zeit im Wohnzimmer warten. „Schon die Zeit, bis der Rettungsdienst da war, kam mir wie eine Ewigkeit vor“, erinnert sie sich.

Zwei Wochen lag Hans Uwe Weber auf der Intensivstation im künstlichen Koma. Für die Familie quälende Stunden der Angst, ob er überleben und sein Gehirn Schaden davon tragen würde. „Am sechsten Tag hat er dann plötzlich meine Hand gedrückt“, erinnert sich Jutta an die erste Reaktion ihres Mannes. Von da an ging es in kleinen Schritten stetig bergauf.

Es folgten dreieinhalb Monate in einer Rehaklinik in Schwerin. „Erst im Januar, also zwei Monate später, habe ich realisiert, was passiert ist“, sagt Hans Uwe. Die Zeit dazwischen fehlt ihm bis heute im Gedächtnis.

Noch immer stehen regelmäßige Untersuchungen und Ergotherapie auf dem Programm. „Bleibende Schäden sind so gut wie keine zurückgeblieben“, sagt der 62-Jährige, der sich mit großer Motivation und Kraft ins Leben zurückgekämpft hat. „Für mich ist es selbstverständlich zu helfen“, sagt Jutta Weber. „Ich würde es jederzeit wieder tun, auch bei fremden Menschen.“

Erst vor zwei Wochen hat sich das Paar das Ja-Wort gegeben - im Bewusstsein, dass das Leben begrenzt sein kann. „Ohne Jutta wäre ich jetzt tot“, weiß Hans Uwe. Ein Ziel hat er sich für die nächsten Jahre gesteckt. „Ich werde mal 100 Jahre alt“, sagt er und lacht. „Das wäre ein Traum.“

Von Julia Schwekendiek 

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So funktioniert Reanimation:

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