Ältere Kollegen wollen vorzeitig in den Ruhestand - trotz Abzüge

Informant: "Die Postzusteller sind im Dauerlauf unterwegs"

Northeim. Ein weiterer Insider packt aus. „So schlimm wie im Moment war es bei der Post noch nie."

„Wenn die Post von Einzelfällen spricht, wenn Briefe oder Pakete an die Adressaten in unserer Region nicht oder viel zu spät zugestellt werden, so ist das glatt gelogen!“ Diese Aussage stammt von einem Zusteller, der täglich Einblick in die internen Abläufe des Unternehmens hat. „Ich bin fast 20 Jahre dabei, aber so schlimm wie im Moment war es noch nie.“

Der verheiratete Familienvater mittleren Alters, der anonym bleiben möchte, weil die Angst vor Konsequenzen sehr groß ist, teilt in einem Brief an die HNA mit, dass die Personaldecke bei der Post einfach zu dünn sei (wir berichteten). „Wir haben sehr selten freie Tage, spontaner Urlaub ist gar nicht möglich. Wir arbeiten teilweise sechs Tage die Woche. Überstunden abfeiern ist nicht möglich“, beschreibt er die Situation. Ohne Dauerlauf seien die Touren gar nicht zu schaffen. Das gehe an die körperliche Substanz. „Deshalb ist der Krankenstand bei uns sehr hoch.“

Kollegen, die älter seien, würden überlegen, ob sie nicht vorzeitig mit der Mindestversorgung in Rente gehen, weil Sie es körperlich nicht mehr schafften. Postbeamte seien diesen Weg schon gegangen. „Für uns Angestellte wäre der finanzielle Verlust aber einfach zu groß.“

Die Touren seien so groß, dass es nicht mehr zu bewältigen sei. Selbst die jungen und körperlich fitten Kollegen würden regelmäßig ihre Touren abbrechen. Seit neuestem dürften auch keine Überstunden mehr gemacht werden, also bleibe wichtige Post liegen. Das sei früher undenkbar gewesen.

Bezirke nicht besetzt

Teilweise würden Bezirke gar nicht mehr besetzt, weil kein Personal da sei. Auch das sei früher undenkbar gewesen, heute sei das vollkommen normal. „Ich kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann das letzte Mal alle Bezirke besetzt waren und die Post komplett zugestellt wurde.“

Der Informant teilt mit, dass ältere Kollegen noch ganz gut bezahlt würden. Alle jungen Kollegen würden allerdings mit einem Hungerlohn abgespeist. Sie bekämen auch keine Fest-, sondern nur Zeitverträge. „Sind sie länger da und stehen kurz vor dem gesetzlichen Anspruch auf einen Festvertrag, müssen Sie zu Hause bleiben und werden dann wieder eingestellt. Sie können nichts planen, schon gar nicht in familiärer Hinsicht.

Wer sich beschwere, dem werde von Vorgesetzten mitgeteilt „Sie müssen ja nicht bei der Post arbeiten, keiner zwingt Sie dazu. „Ich weiß gar nicht, wie ich es zu meiner Rente schaffen soll, wenn die Belastung so hoch bleibt oder sogar noch größer wird!“, teilt der Zusteller abschließend mit.

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