Waschbären sind im Kreis Northeim eine Plage

Sollen noch stärker bejagt werden: Waschbären, die aus Nordamerika stammen und im Landkreis Northeim viel Schaden anrichten. Foto:  dpa

Northeim. Die Jäger im Landkreis Northeim erlegen pro Jahr durchschnittlich 1400 Waschbären.

Der Vorsitzende der Jägerschaft Northeim, Ralf Rahnert, hat anlässlich der Herbstjagdversammlung der Jägerschaft Northeim in der Stadthalle Northeim zur verstärkten Bejagung des Waschbären aufgerufen, um zumindest eine weitere Ausbreitung einzudämmen.

„Waschbären plündern Greifvogel- und Eulengelege, fressen Eier und Jungvögel von Bodenbrütern und verschmähen auch die seltene Europäische Sumpfschildkröte nicht. Es ist Aufgabe der Jäger, diese Schäden in unserem Ökosystem wenigstens ansatzweise zu minimieren“, sagte der Jägerschafts-Vorsitzende.

In den vergangenen sechs Jahren wurden im Landkreis Northeim pro Jahr durchschnittlich über 1400 Exemplare des ursprünglich aus Nordamerika stammenden Räubers erlegt. Rahnert: „Eine Bejagung der nachtaktiven Tiere ist aber recht kompliziert und nur mit entsprechenden Lebendfallen Erfolg versprechend.“

Erst jüngst habe der Platzwart der Sportanlage der Berufsbildenden Schulen in Northeim Alarm geschlagen, weil der Sportplatz mit Kothaufen übersät war, erläuterte Rahnert. Eine fachkundige Analyse habe schnell das Ergebnis erbracht: Waschbären. „Seit etlichen Jahren leben in den hohen Buchen und alten Eichen auf dem Wieter Waschbären, die gerne auch die waldnahen Wohngebiete aufsuchen.“

In der Herbstversammlung vor rund 140 Jägern erläuterte Christian Hembes, Revierjäger am Jägerlehrhof Jagdschloss Springe, dass die Fallenjagd die effektivste Methode zur Bejagung der Waschbären sei. Sie sei streng reglementiert. Nur wenige Totfallen überhaupt seien zugelassen und Lebendfallen müssten komplett abgedunkelt sein und mindestens zweimal täglich kontrolliert werden, um möglichen Stress für die Tiere zu vermeiden.

Als Experte berichtete Dr. Egbert Strauß vom Institut für Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule, dass der Waschbär immer dann mit Menschen in Konflikt komme, wenn er Mülltonnen durchsuche, gelbe Säcke aufreiße, an Hausfassaden hoch klettere und sich auf Dachböden einniste. Gern räume eine Waschbärfamilie über Nacht den einen oder anderen Obstbaum im Garten leer und hinterlasse diverse Kothaufen auf dem Rasen.

Spanische Wegschnecke

In Deutschland kommen seinen Worten zufolge mindestens 1100 gebietsfremde Tierarten vor, beispielsweise die spanische Wegschnecke, der amerikanischen Ochsenfrosch, der Nutria und der Marderhund.

Die Europäische Union gebe jährlich zwölf Milliarden Euro für Bekämpfungsmaßnahmen aus, da die Zuwanderer eine ernsthafte Gefährdung für die Artenvielfalt darstellen, Überträger von exotischen Krankheiten sein können, erhebliche Schäden in Land- und Forstwirtschaft, der Fischerei sowie der Infrastruktur verursachen und Landschaften und Gewässer zerstören würden. 

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