Northeimer spendeten ihre Gitarren für Flüchtlinge

Endlich zu Hause üben: Gitarrenlehrer Christoph Kopmann und seine Schüler Achmed Hesso und Abdul Rahman Makhouz freuen sich über die gespendeten Gitarren (von rechts). Foto: Herwig

Northeim. „Die besondere Zusammensetzung der Gruppe, das macht für mich den Reiz aus“, sagt Gitarrenlehrer Christoph Kopmann. Ein fester Kern von sieben jungen Flüchtlingen besucht seit April seinen Gitarrenkurs, den die Einbecker Musikschule M1 und das Northeimer Jugendzentrum in den Räumen der „Alten Brauerei“ ins Leben gerufen haben.

Bei den einstündigen Treffen kommt eine bunt gemischte Gruppe mit unterschiedlicher Herkunft und völlig verschiedenen Vorkenntnissen zusammen. Manche Schüler sind lebhaft, andere ruhiger wie Abdul, der gerade an seinem sauberen E-Moll-Akkord feilt. Die Musik überbrückt beim gemeinsamen Spiel die Sprachbarriere.

Problemkinder

Problemkinder hatte der Kurs auch, das waren aber nicht die Schüler, sondern die Instrumente: Weil die Jugendlichen keine Gitarren mitbringen konnten, musste Lehrer Christoph Kopmann immer ein Dutzend von der Musikschule leihen und in seinem Auto nach Northeim transportieren. Das war umständlich, vor allem aber hatten die Gitarrenschüler keine Gelegenheit, zu Hause zu üben.

Abhilfe schaffte ein Spendenaufruf in der HNA: Viele Northeimer hätten sicher noch eine Gitarre im Keller, die nicht mehr gespielt würde, so die Hoffnung von Marianne Olliges von der Alten Brauerei. Die hatten sie.

Geschenke und Leihgaben

Fünf geschenkte Gitarren und eine Leihgabe haben Christoph Kopmann und seine Schüler bekommen. Der Zustand sei unterschiedlich, bei einigen fehlten Saiten, aber sonst „sind sie ganz gut in Schuss“, sagt der Gitarrenlehrer.

Er ist glücklich darüber, dass der Umweg über Einbeck wegfällt. Wenn es mit dem Aufpolieren der Instrumente klappt, können seine Schüler über die Ferien weiter ihre Akkorde und Saitenanschläge üben.

Der 16-jährige Hazem spielt schon zu Hause. Er hat sich eine eigene Gitarre organisiert. Sein Fazit nach drei Monaten im Kurs. „Es geht voran, mein Spiel wird besser“. Im Hintergrund wechselt Abdul von E-Moll auf G-Dur.

We will rock you

Wie bringt man eine so bunt gemischte Gruppe überhaupt zusammen? Mit „We will rock you“ von Queen zum Beispiel, ein Klassiker der Gitarrenschule. „Das ist hauptsächlich ein Akkord, jeder kann mitmachen. Die besseren Schüler improvisieren ein bisschen und dann groovt es schon ganz schön“, sagt Kopmann. Die Schüler bringen auch eigene Einflüsse mit, Fingerübungen werden schon mal mit einer orientalischen Skala gemacht.

Achmed Hesso gehört zu den fortgeschritteneren Schülern, viele Gitarrengriffe hat sich der 16-Jährige bei Youtube-Videos abgeschaut. „Mit einem echten Lehrer ist es viel besser“, findet er. Abdul nickt und übt weiter.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.