Nicole Sterzing restauriert die mittelalterlichen Glasmalereien aus St. Sixti

Rettung mit Pinsel und Skalpell

Arbeiten unter dem Mikroskop: Restauratorin Nicole Sterzing demonstriert, wie , sie das Glasfeld aus dem Sixti-Fenster, das die „Geißelung Christi“ zeigt, restaurieren wird. Gemeindemitglied und Pastor i. R. Rudolf Grote schaut ihr interessiert zu. Foto: nh

Northeim. Sie stammen aus der Zeit um 1480. Sie sind die ältesten in Niedersachsen und gehören zu den bedeutendsten in Deutschland: Die Glasmalereien in der Northeimer St.-Sixti-Kirche. Doch sie sind in Gefahr. Umwelteinflüsse drohen, sie zu zerstören.

Ein Teil der wertvollen Scheiben wurde bereits im März vorigen Jahres ausgebaut und nach Erfurt gebracht. In ihrer Werkstatt prüft seitdem Diplom-Restauratorin Nicole Sterzing, welche Rettungsmaßnahmen nötig sind. Die Expertin hatte gläserne Nachbildungen anfertigen lassen. Sie ersetzen die Originalscheiben übergangsweise.

Vertreter der Gemeinde, des Kirchenkreisamts sowie des Kunstreferats der Landeskirche und der Chef des Landesamts für Denkmalpflege informierten sich jetzt vor Ort darüber, was zu tun ist.

Etwa 135 000 Euro, so berichtet Kirchenvorstandsmitglied Christian Steigertahl, wird die für 2017 geplante Restaurierung aller vier Glasfenster an der Nordseite der Kirche kosten. Das ist ein Ergebnis der Begutachtung durch die Expertin. Expertise und Ausbau haben bereits 65 000 Euro verschlungen.

Ein weiteres Ergebnis ist die Art und Weise des Vorgehens, wie Sterzing die kunstvollen Glasmalereien aus St.-Sixti restaurieren will. Dabei geht es im Kern um die Sicherung der lockeren und porösen Malschichten, die auf den mundgeblasenen, mittelalterlichen Scheiben aufgebracht sind.

Mit einem Freilege-Pinsel trägt die Restauratorin unter dem Mikroskop behutsam locker aufliegende Staubschichten, Schmutz und Ruß von den Glasoberflächen ab. Dabei erfolgt die Reinigung nur mit leichtem Druck, ohne die Oberfläche zu zerkratzen.

Fest anhaftende Putz- und Kitt-Auflagerungen im Randbereich der Malereien werden laut Sterzing mit entsalztem Wasser angefeuchtet und mit einem Skalpell abgetragen. Das selbe Verfahren wendet die Restauratorin auch bei Silikon-Auflagerungen im Bereich von Sprüngen auf den Glas-Außenseiten an.

Das Bleinetz, das die Malereien einschließt, bleibt erhalten. Auch hier werden allerdings aufliegender Staub und Schmutzkrusten mit härteren Staubpinseln abgetragen.

Ausbau aller Fenster folgt

In der Werkstatt zur Restaurierung vorbereitet wird derzeit das aus neun Einzelscheiben bestehende Bild der Geißelung Christi, das vom Verfall am stärksten bedroht ist. Wenn die Restaurierung im kommenden Jahr richtig startet, werden auch die anderen drei Original-Fenster ausgebaut und zum „Lifting“ in die Spezial-Werkstatt gebracht.

Der Fenster-Zyklus in St. Sixti zeigt die Passionsgeschichte Jesu Christi mit dem Abendmahl, der Gefangennahme, der Geißelung und der Kreuztragung.

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