Anwohner ärgern sich: Straße nach Jahrzehnten „plötzlich“ zu schmal

Frust in Hillerse: Die Bewohner des Grünen Rings sind von der Stadt enttäuscht. Von links Jürgen Graba, Bernhard Rolof, Thomas Grocholl, Gerrit Weppner, Jürgen Meinecke und Carina Rolof. Foto:  Plikat

Hillerse. Anwohner des Grünen Rings in Hillerse ärgern sich über das Northeimer Ordnungsamt.

Carina Rolof aus Hillerse ist sauer. Stinksauer. Der Grund: Sie hat einen Strafzettel von der Stadt Northeim bekommen. Dass das nun nichts Ungewöhnliches ist, weiß sie. Trotzdem fühlt sie sich ungerecht behandelt. Was ist passiert?

Vor fast zwei Wochen hatte sie im Grünen Ring in Hillerse an einem Samstagmorgen ihr Auto vom Grundstück des Elternhauses auf die Straße gefahren, weil ihr Vater dort einen Anhänger mit Brennholz abladen wollte. Rolof musste um 9 Uhr zur Arbeit fahren und hatte darum dem Trecker samt Anhänger Platz gemacht.

„Als ich das Haus verlasse, sehe ich den Mitarbeiter des Ordnungsamtes, der mir einen Strafzettel ans Auto hängt. Ich habe gerufen, dass das Auto da steht, weil auf dem Hof das Brennholz abgeladen wird. Doch das hat den gar nicht interessiert.“ Der städtische Mitarbeiter habe das „Ticket“ hinter die Windschutzscheibe geklemmt. Auf den Grund angesprochen, habe er gesagt, dass die Straße zu eng sei und dort kein Auto parken dürfe. Als Carina Rolof anmerkte, dass kein Schild oder ähnliches drauf hinweise, habe er nur mit den Schultern gezuckt.

„Auch war ja offensichtlich, dass das Auto da nur kurzfristig stand, weil das Holz auf dem Hof abgeladen werden musste. Aber nein, der Mann hielt mir sogar noch vor, dass mein Auto da die ganze Nacht über gestanden hätte, weil ja Eis auf der Frontschreibe sei“, erzählt die Hillerserin erbost.

Zähneknirschend habe sie dann in der nächsten Woche den 15-Euro-Strafzettel bezahlt.

Doch Carina Rolof ist mit ihrem Frust nicht allein: Auch ihr Vater Bernhard sowie viele Nachbarn ärgern sich - denn auch sie oder Freunde und Verwandte, die zu Besuch kamen, mussten bereits zahlen. Auch Hans-Jürgen Meinecke ist sauer: „60 Jahre lang war das Abstellen von Autos hier im Grünen Ring kein Problem. Seit eineinhalb Jahren ist das plötzlich unrecht.“ Zumal die Anwohner ihre Autos grundsätzlich in Garagen oder auf dem eigenen Grundstück abstellen würden. „Es mag ja sein, dass wir nicht im Recht sind. Aber wir leben hier in einem kleinen Dorf. Jahrzehnte lief alles gut, jetzt ist die Straße plötzlich zu schmal. Das ist frustrierend“, sagt Meinecke. (kat)

Das sagt die Stadt Northeim:

Das Ordnungsamt der Stadt Northeim hat Stellung zu den Maßnahmen im Grünen Ring in Hillerse bezogen. In einer Mitteilung heißt es: „Eine Verwarnung erfolgt nach § 12, Abs. 1 der Straßenverkehrsordnung. „Parken an einer engen Straßenstelle“. Das sei in Hillerse der Fall gewesen. Eng sei eine Straßenstelle, wenn durch haltende Fahrzeuge die Durchfahrt eines Fahrzeugs mit größtmöglicher Breite (2,55 Meter) zuzüglich eines Sicherheitsabstand von mindestens 0,5 Meter (je 0,25 Meter rechts und links) unter Berücksichtigung des Gegenverkehrs nicht mehr gewährleistet ist.

Auf die ironisch gestellte Frage der Anwohner, warum die Straße nach Jahrzehnten ohne Probleme plötzlich seit eineinhalb Jahren zu schmal sei, antwortet das Ordnungsamt, dass seit Dezember 2014 dort zwei Verwarnungen ausgesprochen wurden, acht im Jahr 2015 und bisher drei in 2016. Der Mitarbeiter des Ordnungsamtes selbst habe seit Ende 2014 zehn Mal im Grünen Ring in Hillerse kontrolliert.

Dass sich die Hillerser von dem Ordnungsamt-Mitarbeiter falsch behandelt fühlen, will die Stadt nicht so stehen lassen: Das Gespräch mit den Anwohnern im Grünen Ring sei durch den Mitarbeiter an dem Samstag nach Fertigstellung der Verwarnung erfolgt. Der Sachverhalt wurde erläutert, außerdem habe er die Betroffenen darauf hingewiesen, dass sie eine Stellungnahme im Anhörungsverfahren abgeben könnten.

Auch habe der Hillerser Ortsbürgermeister in einem Telefonat mit dem Ordnungsamt bestätigt, dass es im Grünen Ring durch das Abstellen von Autos schon häufiger zu Schwierigkeiten mit Müllfahrzeugen gekommen sei. Dies sei auch bereits mehrfach in öffentlichen Sitzungen des Ortsrates zur Sprache gebracht worden. (kat)

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