Wachenhäuser Dorfladen: Einkaufen wie früher bei Onkel Rien

Es macht Spaß, hier einzukaufen: Das Foto im Dorfladen Wachenhausen zeigt von links die ehrenamtliche Verkäuferin Gesa Simon, die Kundinnen Yvonne Gerig und Rosalie Röglin sowie Florian Besch. Foto:  Oschmann

Wachenhausen. Das kleine Geschäft in der Ortsmitte läuft seit einem Jahr wie am Schnürchen.

Der Dorfladen in Wachenhausen ist mehr als nur ein kleiner Raum, in dem Kunden aus dem Ort ein paar Waren für den täglichen Bedarf einkaufen können. Er hat eine spezielle Atmosphäre, ein besonderes Flair, man fühlt sich in die Zeit der Tante-Emma-Läden zurückversetzt oder in Wachenhausen in die Zeit des Krämerladens von „Onkel Rien“ - und das nicht nur wegen der Bonbon-Gläser auf dem hinteren Thresen.

Fernab von den Discountern und Supermärkten gibt es im Laden am Thie keinerlei Hektik. Jeder wird freundlich begrüßt und da hier fast jeder jeden kennt, kommen sehr schnell Gespräche in Gang, während rechts am Eingang jemand eine Tasse Kaffee trinkt und dazu ein Stück Mohnkuchen isst oder draußen vor dem Laden mit gerade gekaufter Wurst und Käse frische Brötchen belegt werden.

„Wenn wir belegte Brötchen anbieten würden, wäre das mit diversen Auflagen und Schwierigkeiten verbunden. So funktioniert es ganz ohne Probleme“, erläutert Florian Besch das Prozedere. Er ist Vorstandssprecher des Vereins „Dorfladen am Thie“, in dem Bürger etwas für Bürger auf die Beine stellen. Besch kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn er über den seit einem Jahr bestehenden Dorfladen erzählt, der mit einem Startkapital von 10 000 Euro aufgebaut wurde.

50 Familien sind Mitglied

„Es läuft alles wie am Schnürchen und das Wichtigste, der Laden trägt sich finanziell!“ Das funktioniert in Wachenhausen, weil alles ehrenamtlich erledigt wird. Der Verein hat 50 Familien als Mitglieder, die mindestens 36 Euro pro Jahr in die Gemeinschaftskasse einzahlen. 18 Frauen teilen unter sich die Öffnungszeiten als Verkäuferinnen auf, weitere zwölf Personen stehen Gewehr bei Fuß, wenn handwerkliche Hilfe gefragt ist.

1000 Produkte

Der Dorfladen hat laut Besch ein Sortiment von 1000 Produkten und ist richtig gut sortiert. „Gestartet sind wir vor einem Jahr mit der Hälfte. Auch der Anteil der Bio-Produkte aus der Region hat sich von 40 zu 60 genau umgekehrt.“ Die Wachenhäuser, deren Modell einmalig im Landkreis ist, bekommen ihre Waren von einem speziellen Lieferanten für Dorfläden. „Einige Bio-Produkte aus der näheren Umgebung holen wir sogar selbst ab“, sagt Besch.

In wenigen Wochen soll eine Umfrage unter den Kunden und Einwohnern gestartet werden, um die Wünsche noch besser kennenzulernen und auf den Bedarf reagieren zu können, erläutert Besch.

Wie viele Kunden denn so kommen, lautet die Frage. Die verursacht bei Besch und Gesa Simon an der Kasse ein Achselzucken. Das wird nicht registriert, aber: „Es fühlt sich gut an“, sagt Simon, der sich von dem Projekt Dorfladen begeistert zeigt. Fest im Blick haben die Verantwortlichen hingegen das Warensortiment und die Nebenkosten.

Großzügiger Vermieter

Inzwischen gibt es neben der 45 Quadratmeter großen Verkaufsfläche auch einen ebenso großen Abstellraum. „Unser Vermieter Wilfried Leunig kommt uns sehr entgegen“, freut sich Besch.

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