Keramik aus historischem Mittelalter-Ofen in Fredelsloh

Frisch aus dem Mittelalterofen: Annette Muhs (links) und Nadine Holesch testeten, ob das Aquamanile wasserdicht ist. Nonne und Mönchen nutzten solche Gefäße im Mittelalter zum Hände waschen. Hinten weitere gebrannte Gefäße. Foto: Niesen

Fredelsloh. Knapp 1000 Keramiken von der kleinen Murmel bis zur Krippenfigur haben Töpfermeister Johannes Klett-Drechsel und seine Mannschaft von rund zwölf Helfern erfolgreich im Nachbau eines historischen Mittelalter-Ofens am Keramikum in Fredelsloh gebrannt.

Die Öffnung des Ofens und das Herausholen der teils nach historischem Vorbild gefertigten Töpferstücke wurden bei herrlichem Sommerwetter von zahlreichen Schaulustigen verfolgt. Es handelt sich bereits um den zehnten Brand im Ofen.

Die Helferinnen Annette Muhs und Nadine Holesch probierten sofort ein frisch gesintertes (wasserdicht verschmolzenes) Aquamanile aus. Dabei handelt es sich um ein Henkelgefäß mit einem Hirschkopf, das im früheren Klosterstift in Fredelsloh von den Nonnen genutzt wurde, um sich zum Waschen Wasser über die Hände zu gießen.

Allerdings stimmte eine historische Kleinigkeit nicht: „Der Kopf des Aquamanile trägt ein Geweih. Die Nonnen in Fredelsloh nutzten als Frauen eins ohne“, schmunzelte Annette Muhs. „Aquamaniles mit Geweih wurden aber beispielsweise von den Mönchen in Hildesheim genutzt.“

Heilige drei Könige mit Schafen: Neuzugänge für die Krippe in der Fredelsloher Klosterkirche. Auch sie wurden gebrannt.

Blickfänge des diesjährigen Brandes sind unter anderem die heiligen drei Könige und Keramikschafe, die für den Ausbau der Krippe in der Fredelsloher Klosterkirche bestimmt sind. „Nächstes Jahr wird es weitere Figuren geben“, kündigte Klett-Drechsel an. Freuen kann sich das Sollingdorf zudem über Blumentöpfe, die mit passender Bepflanzung den Ort schmücken sollen.

Außerdem waren Steckplatten dabei, die für die Umfassung des Rosengartens an der Klosterkirche gedacht sind.

Den Brand bewältigte das Team in Vier-Stunden-Schichten. Rund um die Uhr musste der hungrige Ofen mit Buchenscheiten gefüttert werden, um die Temperaturen von bis zu 1200 Grad Celsius zu erreichen und über einen gewissen Zeitraum zu halten, damit der Fredelsloher Ton wasserdicht wird. Klett-Drechsel: „Es waren wieder wunderschöne Einzelstücke dabei.“

Das Vorbild des Mittelalterofens wurde bei archäologischen Grabungen in der Gasse in Fredelsloh gefunden. Es stammt aus der Zeit um 1300. Töpfermeister Klett-Drechsel gab den Anstoß zum Nachbau unter wissenschaftlicher Begleitung. 2006 wurde der Nachbau erstmals genutzt.

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