Studie: 17 300 Frauen im Kreis arbeiten Teilzeit oder in Minijobs

Altersarmut bei Frauen steigt auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Hersfeld-Rotenburg. 17 300 Frauen im Landkreis arbeiten in Minijobs, als Leiharbeiterinnen oder Teilzeit. Diese – im Fachjargon „atypisch“ genannten Beschäftigungsformen sind mit niedrigen Renten verbunden. Diese Zahl teilte jetzt die IG Bauen-Agrar-Umwelt mit und bezieht sich auf eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung.

Klaus Michalak, Bezirkschef der IG Bau Nordhessen, warnt denn auch vor steigender Altersarmut von Frauen. Er fordert von Unternehmen und Politik ein Gegensteuern: „Statt Frauen nur für wenige Wochenstunden einzustellen, sollten Firmen vollwertige Jobs schaffen – für Frauen und Männer.“ Für Reinigungskräfte zum Beispiel sei Vollzeitbeschäftigung mittlerweile fast eine Seltenheit.

Auch bei der Arbeitsagentur befasst man sich mit dem Thema. Melanie Bonacker istBeauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt und warnt: „Das langjährige Ausüben einer Minijob-Tätigkeit führt bei vielen Frauen in die Hilfebedürftigkeit oder/und zu Altersarmut. Dies sollte man im Blick haben, wenn man für längere Zeit auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verzichtet und einen Minijob ausübt.“

Die Frauenbeauftragte des Landkreises, Ute Boersch, kennt das Problem ebenso und führt es auch auf tradierte Rollen zurück: Auch heute noch wählten Frauen oft schlechter bezahlte Berufe und bevorzugten nach Schwangerschaft und Erziehungszeit Teilzeitarbeit oder Minijobs. Außerdem seien es überwiegend Frauen, die ihre Angehörigen später pflegten. Der Mann bleibe der Hauptverdiener. Unterstützt werde das zudem durch das herrschende Steuermodell. Boersch sagt: „Wenn die Beziehung endet, wird es knapp für diese Frauen.“

Sie plädiert insgesamt für eine familienfreundlichere Arbeitswelt, in der Kinder und Erziehungszeit nicht zwangsläufig zum Karriereknick werden. (sis)

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa-tmn

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