Fast 400 Mitarbeiter und 40 Filialen: Das Familienunternehmen in Zahlen

Backtradition seit 1916: Gerlach feiert Jubiläum

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Lange Back-Tradition: Das Familienunternehmen Guter Gerlach, das 1916 von Wilhelm Gerlach in Bad Hersfeld gegründet wurde, feiert den 100. Geburtstag. Das Bild zeigt (von links) Sven Reidt, Sandro Schaub, Frank Kurz und Nicole Gerlach in der Backstube in Unterhaun. Nicole Gerlach und ihre Schwester Franziska Gerlach führen die Firma in vierter Generation.

Hersfeld-Rotenburg. Mit einer Bäckerei am Kirchplatz in Bad Hersfeld und einem kleinen Team von maximal 20 Leuten fing 1916 alles an. Heute, 100 Jahre später, gehört das Familienunternehmen Guter Gerlach mit Sitz in Unterhaun, fast 400 Mitarbeitern und fast 40 Filialen in der Umgebung zu den großen Arbeitgebern im Landkreis. Wir stellen den Bäckereibetrieb in Zahlen vor:

1 Stunde und 15 Minuten beträgt die Backzeit des Ibaer Bauernbrots, ein Klassiker in den Regalen der derzeit 37 Filialen in Bad Hersfeld und Umgebung. „Wichtig ist eine schöne Kruste“, weiß Backstubenleiter Frank Kurz, der seit 1985 bei Gerlach arbeitet und dort auch seine Frau kennengelernt hat. Kein Einzelfall übrigens: In dem Unternehmen sind bereits mehrere Ehen entstanden ...

4 Generationen haben das Unternehmen bisher geprägt. Wilhelm Gerlach gründete den Betrieb 1916 am Kirchplatz in Bad Hersfeld mit Backstube, Geschäft und Wohnung unter einem Dach. Inzwischen wurde das Gerlach-Mutterhaus allerdings durch einen Neubau ersetzt. Die zweite Filiale am Lappenlied gibt es auch heute noch. 1965 übernahm Hans Gerlach die Bäckerei, 1983 dessen Sohn Hans-Jürgen. Seit 2012 führen Nicole und Franziska die Geschäfte mit unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkten.

6 Gesellen beginnen in der Nacht mit dem „Aufmachen“ des Brotteigs, denn die ersten Filialen öffnen um 5 Uhr. Die Fahrer sind ab 4 Uhr unterwegs. Der Teig wird mit der Hand geknetet, geformt und in den Ofen geschoben. Die Backstube ist quasi das ganze Jahr über durchgehend geöffnet, außer am ersten Weihnachtstag und am 1. Januar. Weit über die Hälfte aller Mitarbeiter in der Produktion sind „Eigengewächse“. sprich: auch bei Gerlach ausgebildet worden.

14 Jahre ist es her, dass der „Guter Gerlach Kinderfonds“ von Marita Gerlach ins Leben gerufen wurde. Mit Spendenaktionen sollen bedürfte Kinder und Jugendliche in der Region unterstützt werden. Zum 100. Geburtstag gibt es auch keinen offiziellen Festakt, „nur“ ein Mitarbeiterfest. Dafür aber eine Kunden-Aktion, deren Erlös ebenfalls für den guten Zweck verwendet werden soll.

15 Ausbildungsplätze bietet Gerlach an – im Büro, in der Backstube, im Lager und im Verkauf. Wie viele andere Handwerksbetriebe, hat aber auch die Bäckerei zunehmend Probleme, Nachwuchs zu finden. Auch für dieses Jahr sind noch Ausbildungsstellen frei. Zu den frisch gebackenen Gesellen zählt ein junger Mann aus Afghanistan, der als Flüchtling nach Deutschland gekommen ist und nun auch übernommen wird.

25 Mitarbeiter zogen 1987 mit der Produktion ins Unterhauner Gewerbegebiet Döllwiesen, nachdem der Platz am Kirchplatz zu knapp geworden war. Acht Jahre später wurde das Unternehmen erstmals auf rund 2500 Quadratmeter erweitert. Im Juni 2015 wurde mit den Arbeiten für einen weiteren Anbau begonnen, in dem unter anderem eine Reifekammer, ein Vorteigraum, neue Büro-, Sozial- und Schulungsräume sowie eine eigene Energiezentrale Platz finden. Die Fläche des Betriebs verdoppelt sich damit fast.

36 Jahre alt ist Nicole Gerlach, 32 Jahre alt ihre Schwester Franziska. Seit vier Jahren stehen die beiden an der Spitze des Betriebs. Nicole Gerlach ist Diplom-Betriebswirtin, Franziska Gerlach Bäcker- und Konditor-Meisterin.

Am Kirchplatz in Bad Hersfeld fing alles an. Foto: nh

100 Mitarbeiter sind aktuell am Standort Unterhaun beschäftigt. Insgesamt hat Gerlach rund 370 Mitarbeiter – in der Verwaltung, in der Backstube und in den Filialen bis hin zum Gärtner.

150 Tonnen Mehl werden pro Monat für die verschiedenen Produkte verwendet. Das Roggenmehl stammt von einem Bauern aus Haunetal, der schon zu „Großvaters Zeiten“ für Gerlach tätig war. Das Weizenmehl bezieht der Betrieb aus Thüringen. 120 bis 130 unterschiedliche Produkte werden in Unterhaun hergestellt.

1000 Kilogramm reine Schokolade, die pro Jahr für Schokobrötchen und Co. gebraucht werden, verteilen sich vor allem auf die Wintermonate. Denn im Sommer gibt es weniger Schokoprodukte, auch weil reine Schokolade im Gegensatz zu minderwertiger Fettglasur schneller schmilzt.

6000 Liter Milch mit einem Fettanteil von 3,8 Prozent werden pro Monat benötigt. Zweimal in der Woche wird Gerlach mit Milch beliefert. Der hohe Fettanteil sei von großer Bedeutung, ebenso wie bei der Sahne, die einen Fettgehalt von 33 Prozent hat. „Das ist wichtig für die Stabilität“, weiß Backstubenleiter Frank Kurz. Außerdem schmecke man den Unterschied.

7000 Kilogramm Erdbeeren aus Homberg/Efze werden während der Erdbeersaison verarbeitet – für Kuchen, Teilchen und andere Leckreien mit den Früchten.

784 000 Eier im Jahr hat der Backstubenleiter auf seiner Einkaufsliste stehen. Davon werden circa 52 000 in den Filialen verbraucht, zum Beispiel für Frühstückseier, Rührei und Spiegeleier. Die Eier stammen aus Burghaun-Hünhan. „Wir versuchen so viel wie möglich aus der Region zu beziehen“, sagt Nicole Gerlach mit Blick auf die Qualität und den Umweltschutz.

Von Nadine Maaz

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