Keine Handhabe gegen 18-Jährigen

Hausverbot schreckt nicht ab: Täter kehrt an Tatort in Bad Hersfeld zurück

Aufgezeichnet: Die Überwachungskamera in der Total-Tankstelle hat den abermaligen „Besuch“ eines 18 Jahre alten Asylbewerbers aus dem Irak festgehalten. Der war, nachdem er am Sonntag hatte 100 Euro erpressen wollen, trotz Hausverbots gestern wieder im Verkaufsraum der Tankstelle aufgetaucht. Foto: Reymond

Bad Hersfeld. Nach der Tat ist vor der Tat. Das befürchtet Erwin Klingspon, Pächter der Total-Tankstelle an der Carl-Benz-Straße in Bad Hersfeld. Viel tun kann er jedoch nicht.

Er, seine Frau Irina und weitere Mitarbeiter waren am vergangenen Sonntagmorgen Opfer einer räuberischen Erpressung geworden. Am Dienstagmorgen dann kam der Täter trotz ausgesprochenen Hausverbots wieder in den Verkaufsraum der Tankstelle.

Nach den Worten Klingspons habe er den „dicken Max“ markiert. „Der guckt uns frech an und denkt sich: ,Was wollt ihr denn? Ihr könnt mir gar nichts.‘ Der macht was er will, weil er nicht bestraft wird“, meint der Tankstellenpächter.

Schnell wieder auf freiem Fuß

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Denn nach seiner versuchten räuberischen Erpressung hatte der 18-jährige Asylbewerber aus dem Irak nichts weiter zu befürchten. Zwar hatte er sich der Festnahme widersetzt, sodass die Beamten Pfefferspray einsetzen und körperliche Gewalt anwenden mussten. Doch schon nach kurzer Zeit durfte er die Wache wieder verlassen. Denn der Asylbewerber hat am Stadtrand von Bad Hersfeld eine feste Bleibe.

Klingspons Frau ist den Tränen nahe: „Was mache ich denn, wenn ich alleine bin und der kommt rein?“ Das von Klingspon ausgesprochene Hausverbot jedenfalls hat den 18-Jährigen nicht sonderlich beeindruckt. „Selbst, als wir ihn aus der Tankstelle verwiesen haben, hat er sich noch provozierend vor mir und zwei Mitarbeitern aufgebaut. Ein normaler Mensch verhält sich so nicht.“

Auch wenn es ihm in den Fingern juckt, fürchtet Klingspon Repressalien. „Wenn ich zuschlage oder zum Pfefferspray greife und ihn verletze, dann bin ich dran“, fürchtet der Mann von der Total-Tankstelle.

Da der 18-Jährige als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in den Landkreis gekommen ist, ist auch der Landkreis für seine Betreuung zuständig. „Es gibt nicht viel, was wir mit ihm machen können. Bei unter 25-Jährigen besteht die Möglichkeit, die Leistungen um 30 bis 100 Prozent zu streichen. Das wird geschehen. Er bekommt seine Zuwendungen künftig in Sachleistungen – sprich Gutscheine umgewandelt. Außerdem wird er in einem Gespräch noch einmal eingenordet“, erklärt Dirk Herrmann, der Pressesprecher des Landkreises.

Zudem werde man das System engmaschiger ziehen. Der Iraker werde an einem Arbeitsvorbereitungskurs, einer Schulung oder einem Sprachkurs teilnehmen müssen, um so einen geregelten Tagesablauf zu bekommen. Zudem werde ein Sozialarbeiter ihn im Blick behalten. Damit solle ausgeschlossen werden, dass er künftig weitere Dummheiten zum Nachteil anderer begehen werde.

Denn auf dem Schaden vom Sonntag jedenfalls bleibt Klingspon sitzen. „Wer soll mir denn etwas bezahlen? Bei dem ist doch nichts zu holen“, sagt er enttäuscht.

Von Mario Reymond

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