Bad Hersfeld in "charmantem Ausnahmezustand"

Lolls 2016: Die Eröffnungsrede von Bürgermeister Thomas Fehling

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Feuermeister Klaus Otto (links) und Bürgermeister Thomas Fehling am Lullusfeuer.

Bad Hersfeld. Mit der Rede des Bürgermeisters und dem Anzünden des Feuers beginnt traditionell das Lullusfest.  Die Rede von Thomas Fehling im Wortlaut lesen Sie hier:

Werter Herr Feuermeister, sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Gäste aus unserer Partnerstadt Šumperk, von unserem Patenschiff S 75 Zobel und aus Malmesbury, liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Kinder, verehrte Gäste aus nah und fern!

Dieses Jahr wird die Lollsrede erstmals live auf Facebook übertragen. Deshalb auch ein herzliches Willkommen an alle Facebook-Zuschauer.

Jetzt ist es wieder so weit. Bad Hersfeld ist am Lolls-Montag in einem charmanten Ausnahmezustand!

Und ich darf heute als erneut gewählter Bürgermeister von Bad Hersfeld das Lullusfest eröffnen. Dafür bin ich dankbar, das erfüllt mich mit Freude. Bei der Gelegenheit möchte ich mich bei Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger, für das entgegengebrachte Vertrauen und das klare Votum bedanken. Denen, die mich nicht wählten, möchte ich zurufen, dass meine Türe für Gespräche über ein gemeinsames Arbeiten zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger offen steht. Lassen Sie uns darüber sprechen, wie wir trotz unterschiedlicher Meinungen den vom Bürger dokumentierten Willen gemeinsam erfolgreich umsetzen können. 

Das Jahr wurde von zwei Wahlen geprägt: den Kommunalwahlen im März und der Bürgermeisterwahl im September. Da die politischen Themen in den Wahlkämpfen zur Genüge diskutiert wurden, möchte ich mich heute auf einige wenige Highlights des Jahres beschränken.

Ich freue mich sehr darüber, dass die Festspiele beim Publikum so gut ankamen und danke dafür Intendant Dieter Wedel. Ich habe mich ganz besonders über die herausragende Kinder- und Jugendarbeit als eine der Neuerungen bei den Festspielen gefreut. Auf Boden eines besonderen Engagements von Schülern, Eltern, Lehrern, professionellen Schauspielern und nicht zuletzt von Joern Hinkel wurde das Ensemble von „Krabat“ hochverdient mit dem kleinen Hersfeldpreis ausgezeichnet.

Große Zustimmung fand auch das erstmals durchgeführte Sommerfest im grünen Foyer. Bei zwangloser Atmosphäre konnten die Gäste ihren Stars der Bad Hersfelder Festspiele ganz nahe sein. Beim Abschlusskonzert durften wir Mega-Star Milow in der Stiftsruine genießen.

Ein ganz besonderer Gruß geht dieses Jahr an die Kameradinnen und Kameraden von unserem Patenschiff, dem Schnellboot Zobel. Das Boot wird zusammen mit dem gesamten Geschwader mit einem Festakt am 16. November 2016 außer Dienst gestellt. Somit endet dann auch unsere Patenschaft. Deshalb dürfte der Besuch der Soldaten heute höchstwahrscheinlich der letzte dienstliche in Uniform sein. Solange aber die Freundschaften weiter gepflegt werden, lebt die Patenschaft in unseren Herzen weiter. Ich für meine Person habe die vielen gegenseitigen Besuche immer als eine Bereicherung gesehen. Jeder von uns hat über die Jahrzehnte der Patenschaft seine Erlebnisse gesammelt und kann heute die eine oder andere lustige Geschichte erzählen.

Einer kann ganz sicher viele Geschichten erzählen. Der ehemalige und langjährige Kommandant der Zobel, Korvettenkapitän Volker Hayn, ist ebenfalls heute zu Gast in Bad Hersfeld. Er hatte diese Patenschaft maßgeblich mitgestaltet. Lieber Herr Hayn, Ihnen ein ganz besonderes Willkommen. Im Namen der Bürgerinnen und Bürger der Kreisstadt Bad Hersfeld sage ich Danke für die Zeit und die vielen Kontakte, die zum Teil sehr nachhaltig sind. Wir wünschen Ihnen in Ihren neuen Verwendungen bei der Marine alles erdenklich Gute und kommen Sie bitte aus Ihren Einsätzen immer heil nach Hause!

„90 Jahre Feuermeister“ – so lautet das Lolls-Motto dieses Jahr. Jeder Mückenstürmer erkennt das Bild des Feuermeisters sofort. Es ist beeindruckend, wie sich innerhalb von neun Jahrzehnten diese Symbolfigur innerhalb unserer Stadtgesellschaft etabliert hat. Mit den Herren Hans Post, Kurt Bode, Hans-Jürgen Eichenauer, Udo Baumgardt, Udo Roßbach und jetzt Klaus Otto hatten und haben wir inzwischen sechs Feuermeister im Dienst. Jeder mit seiner eigenen Persönlichkeit, mit Ecken und Kanten, aber alle verbunden durch eine Emotion: Der Liebe zum ältesten deutschen Volksfest – unserem Lullusfest, welches wir in diesem Jahr zum 1164. Male feiern.

Wenn man den Aussagen des Präsidenten des Deutschen Schaustellerbundes, Herrn Albert Ritter, glauben darf, dann entstand die Volksfestkultur sogar in Deutschland. Somit könnte Bad Hersfeld sogar das älteste Volksfest der Welt sein. Demgegenüber ist die Figur des Feuermeisters ein junges Kerlchen. Aber sie ist trotzdem heute ein fester Bestandteil des Lullusfestes. Denn sie hat in den neun Jahrzehnten einige gesellschaftlich und wirtschaftlich schwierige Zeiten überstanden und dabei sicherlich vielen Menschen Mut und Hoffnung gegeben. Die Figur des Feuermeisters ist ein gutes Beispiel dafür, wie Tradition und Moderne Hand in Hand gehen können. Denn vor 90 Jahren fand die Idee von Wilhelm Neuhaus Gehör und wurde durch Hans Post als erstem Feuermeister mit viel Engagement umgesetzt.

Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass es auch damals Kritiker und Zweifler gab. Braucht man sowas? Was soll das bringen? Das haben wir doch noch nie so gemacht! Also genau jene Bedenken, die wir auch heute noch regelmäßig hören, wenn man mal mit einem neuen Vorschlag in Erscheinung tritt. Aber die Feuermeister-Idee hatte sich durchgesetzt und ist heute nicht mehr wegzudenken. Im Laufe der Jahre hat es Anpassungen gegeben, sowohl bei dem Outfit aber auch bei der Wahrnehmung der Rolle selbst. Somit steht der Feuermeister für eine permanente positive Weiterentwicklung unserer Stadt und unserer Kultur.

Ich denke, der Feuermeister kann uns Vorbild sein, auch in anderen Bereichen Neuerungen zuzulassen. Diese mal auszuprobieren und wenn es funktioniert, dann auch beizubehalten. Andersrum aber auch den doppelten Mut zu haben. Nämlich eine Idee auszuprobieren und auch wieder zu stoppen, wenn sie sich nicht wie erwünscht behauptet. Wie heißt es in unserem Stadtspruch, der nachher nochmal vollständig kommt: In Kreuz und Leid hab‘ Löwenmut. Wir alle sollten den Löwenmut besitzen, um für unsere Ideen zu kämpfen und sie wahr werden zu lassen - auch wenn es Gegenwind gibt. Dabei gilt es, konstruktive Kritik zuzulassen, damit am Ende eine noch bessere Idee dabei rauskommt. Das ist die Grundlage für den Leitspruch „Suchet der Stadt Bestes“, welcher unser aller Ansporn sein sollte. Oder wie Thomas Morus schrieb: „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“ Und in diesem Sinne kommen wir jetzt zum Anzünden unseres geliebten Fierche.

Und nun, Herr Feuermeister, hören Sie: Bürgermeister: Wir zünden an uralten Brand, Was soll er künden dem deutschen Land? Feuermeister: Am guten Alten woll’n fest wir halten! Bürgermeister: Und warum hüten in treuer Hut Wir Tag und Nacht des Feuers Glut? Feuermeister: Wie die Väter in Ehren Woll’n wir uns bewähren! Bürgermeister: Das Feuer brennt mit hellem Schein, Was soll der Bürger Losung sein? Bürgermeister und Feuermeister: Klaus: Hersfeld, die Stadt, sie trägt im Schild, Thomas: Ein Kreuz und einen Löwen wild. Klaus: In Kreuz und Leid hab’ Löwenmut Thomas: Und trau auf Gott, es wird wohl gut.

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