"Die Goldene Gans": Lottofee Franziska Reichenbacher führt in Bad Hersfeld Regie

Geht mit dem Stück „Die Goldene Gans“ unter die Regisseurinnen: Franziska Reichenbacher, die das Grimm’sche Märchen in eine Bühnenfassung schrieb, feiert am 30. Juni im neuen Theaterzelt an der Stiftsruine Premiere mit ihrem ersten Stück. Foto: Dessauer

Bad Hersfeld. Franziska Reichenbacher (48), bekannt als Moderatorin der Lottoziehung in der ARD, hat eine alte Leidenschaft wieder für sich entdeckt: das Theater. Sie führt nun beim Stück "Die Goldene Gans" in Bad Hersfeld Regie.

Die gebürtige Mainzerin, die an der Münchener Uni Theaterwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Psycholinguistik studierte und bereits während ihrer Schulzeit Theater spielte, schrieb im vergangenen Jahr die Bühnenfassung des Kindertheaterstücks „Die Eule“, das bei den Festspielen im Buchcafé gespielt wurde. Nun will Reichenbacher mehr und führt zum ersten Mal bei einem Stück Regie. Mit dem Stück „Die Goldene Gans“, nach dem Märchen der Brüder Grimm, feiert sie am 30. Juni im neuen Theaterzelt an der Stiftsruine Premiere. Wieder schrieb Sie selbst die Vorlage.

Figuren mit mehr Tiefe 

„Es ist ein faszinierender Prozess, seine eigenen Figuren auf dem Weg zur Bühne zu begleiten“, verrät Reichenbacher im Gespräch. Den schablonenhaften Figuren der Vorlage soll in der Bühnenfassung mehr charakterliche Tiefe verliehen werden. Auch hat Reichenbacher zwei Charaktere zur Handlung hinzugefügt: die Amme, gespielt von Christina Rohde, und den intriganten Kanzler, gespielt von Tilo Keiner, der sogar schon unter Steven Spielberg im 1998er Kriegsfilm „Der Soldat James Ryan“ einen deutschen Soldaten spielte.

Komplettiert wird das Ensemble von Alexander Pelz als König, der „Kasseler Gang“, wie Reichenbacher sie nennt, bestehend aus Benjamin Wilke, Yorick Tortochaux und Sasha Bornemann, die den Helden Dummling (Bornemann) und seine beiden Brüder geben und die allesamt an der Kasseler Schauspielschule studierten, sowie von der erst 20-jährigen Milena Tscharntke. Tscharntke wurde vornehmlich einem jüngeren Publikum durch ihre Rolle der Anastasia in der Kultserie „Bernd das Brot“ bekannt und spielte in den letzten Jahren in verschiedenen Kinofilmen, wie „Die wilden Hühner“ und „Bruder vor Luder“.

Ein zeitloses Märchen 

Reichenbacher will sich in ihrer Version des Märchens auf das zeitlos aktuelle Thema Gier fokussieren, der Gier nach Geld und Macht, ohne dabei eine angestrengte Aktualität des Stoffes zu erzwingen. Ihr Stück werde kein Kostümschinken, sondern solle ein zeitloses Märchen mit viel Magie bleiben, das mit den Zuschauern auf dem schmalen Grat zwischen Ernst und Heiterkeit wandert. Reichenbacher verspricht handfestes Theater, ganz nah an den Kindern.

Ob sie Schwierigkeiten habe, durch ihre Bekanntheit als Fernsehmoderatorin als Theaterregisseurin wahrgenommen zu werden? „Die Wahrnehmung kommt mit dem Erfolg“, ist Reichenbacher überzeugt. Man müsse immer erst mal etwas leisten, wenn man in einer neuen Branche Fuß fassen wolle. Man müsse das Stück gut auf die Bühne bringen. „Und darum kämpfen wir.“ Ein Drittel der Probenzeit ist vorbei. Nun geht es in die Vollen.

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