Warmgemacht und abgeliefert

Wer Milow in der Stiftsruine nicht gesehen hat, hat was verpasst

Ein Abend voller Hits: Milow räumte in der Stiftsruine am Montzagabend gleich zweimal ab. Während die Karten für den späteren Auftritt innerhalb von 90 Minuten vergriffen waren, blieben in der frühen Vorstellung einige Plätze leer. Foto: Deppe

Bad Hersfeld. Am Ende ist Milow dann eben ein Popstar. Und dem wird nicht nur Applaus spendiert, dem wird zugejubelt, da gibt es Gekreische und Gejohle. Und weil das beim Theater eben etwas gesetzter ist, dürften die Lautstärkepegel am Ende des Konzertes am Montagabend in der Bad Hersfelder so stark ausgeschlagen sein, wie nie in der jetzt abgelaufenen Festspielsaison.

Milow rockt in der Bad Hersfelder Stiftsruine

Da ist es viertel nach zehn und Milow geht lachend von der Bühne. Er hat abgeliefert, mehrere Zugaben gespielt, seine aktuelle Single „Howling at the moon“ gleich doppelt. Es ist erstaunlich, wie viele Hits der Belgier schon geschrieben hat. Wer ab und an das Radio einschaltet, bemerkt erst jetzt, von wem viele dieser eingängigen, aber nicht einfachen Melodien stammen. Milow bringt alles, eröffnet mit stampfenden R 'n' B-Beats, bindet das Publikum als großen Chor ein und genießt die Ruhe, wenn er seine Begleitband von der Bühne schickt und die Musik auf ein Minimum reduziert – seine Stimme und die Akustikgitarre.

Dazwischen gibt der 35-Jährige den Entertainer, lobt das Publikum („Perfekt!“) und verheddert sich in Anekdoten. Das jedoch nie nervtötend sondern immer sympathisch. Diesem dauergrinsenden Hünen würde man ohnehin eine Menge verzeihen. Mit seiner Energie reißt er das Publikum vom Beginn an mit, was auch dem „Warm-Up-Programm“, wie Milow es bezeichnet, zu verdanken ist.

Denn Milow spielt gleich zwei Shows, mit nur ein paar Minuten Abstand. Er ist quasi seine eigene Vorband, auch wenn das Publikum zwischendurch ausgetauscht wird. Bemerkenswert, dass er nicht der Einfachheit halber zum Standardprogramm greift, sondern versucht, zu variieren. Schon der Showopener im zweiten Konzert ist ein anderer und man merkt, dass die Band schon warmgespielt ist.

Seinen Mitmusikern räumt Milow viel Platz ein. Die englische Backgroundsängerin Nina Babet muss zwar einen „Brexit“-Witz über sich ergehen lassen, singt aber einige Soloparts. Immer wieder im Rampenlicht steht aber vor allem Gitarrist Tom Vanstiphout, mit dem Milow Duette singt und der viel Variation in die Stücke einbringt, wie beim 50-Cent-Cover „Ayo Technology“, bei dem Vanstiphout zur Resonanzgitarre greift.

Neben den Hits bleiben zwei Nummern besonders hängen. Die überraschende Version von „Blue Skies“, einem Lied des 20er-Jahre Komponisten Irving Berlin und das fast zur Comedy-Nummer heruntergebrochene „I was a famous singer“, Milows Abgesang auf sich selbst, „schon jetzt geschrieben, für die Zeit, wenn es mit der Karriere wieder bergab geht.“ In dieser Form kann das noch lange dauern.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.