Festwoche irrtümlich abgesagt – Evangelische Kirchengemeinde plant kleinere Veranstaltung

Philippsthaler Ortsjubiläum: Es bleibt bei 825 Jahren

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Die richtige Urkunde: Pfarrerin Rita Stückrad-Frisch bewahrt in der Philippsthaler Schlosskirche eine Kopie des Schutzbriefs auf, in dem Kreuzberg, das heutige Philippsthal, erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Philippsthal. Jetzt also doch: Philippsthal begeht in diesem Jahr seinen 825. Geburtstag.

Die Feierlichkeiten waren im vergangenen Herbst allerdings abgesagt worden – wie sich jetzt herausstellte, weil die Gemeinde einem Irrtum aufgesessen ist. Bei seinen Recherchen für eine neue Ortschronik war der Philippsthaler Rainer Köberich im Marburger Staatsarchiv auf eine Urkunde des Kaisers Friedrich Barbarossa I. aus dem Jahr 1170 gestoßen, in dem Cruceburg erwähnt wurde – vermeintlich handelte es sich dabei um Kreuzberg, wie Philippsthal früher hieß.

Schutzbrief des Papstes

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man sich in der Werragemeinde auf einen Schutzbrief des Papstes Cölestin an das Kloster Kreuzberg aus dem Jahr 1191 als erste urkundliche Erwähnung berufen. So war im Jahr 1991 die 800-Jahrfeier begangen worden. Zwar hatten andere Heimatforscher beim Auftauchen der neuen Urkunde bereits Zweifel geäußert, in einem Gutachten bestätigte das Staatsarchiv allerdings im vergangenen September, dass es sich bei dem genannten Cruceburg tatsächlich um das heutige Philippsthal handele. Auf diese Expertise verließ sich auch Bürgermeister Ralf Orth bei der Absage der Jubelfeier. Jetzt rudert die Behörde in einem Schreiben allerdings zurück: Tatsächlich handele es sich bei dem erwähnten Ort um Creuzburg an der Werra im Wartburgkreis. Da die Weihe-Urkunde des Klosters Kreuzberg nicht erhalten ist, gilt für Philippsthal damit wieder der Schutzbrief aus dem Jahr 1191 als ältester schriftlicher Beleg. Und der ist für ein Jubiläum entscheidend – selbst, wenn es den Ort tatsächlich schon länger gibt.

Falsche Urkunde

„Die falsche Urkunde aus 1170 haben wir damals schon bei den Recherchen zur 800-Jahrfeier in der Hand gehabt“, erinnert sich Rita Stückrad-Frisch. Die Philippsthaler Pfarrerin findet es „traurig“, dass es bei der Gemeinde offenbar bislang keine Bestrebungen gegeben habe, das Jubiläum doch noch zu begehen. „Jede Generation hat ein Anrecht darauf, zu wissen, wo ihre Wurzeln liegen“, betont sie. Eine Feier müsse nicht zwangsläufig viel Geld kosten.

Die evangelische Kirchengemeinde plant deshalb am Freitag, 11. November, dem Tag der urkundlichen Ersterwähnung, einen Festgottesdienst in der Schlosskirche mit anschließendem Abend zur Ortsgeschichte. Die Predigt hält Dekan Dr. Frank Hofmann. Weiterhin sind eine Ausstellung mit historischen Dokumenten und Exponaten sowie ein Abend, an dem alte Fotos gezeigt werden, angedacht. Veranstaltungen wie der Oldtimertag, die eigentlich im Zeichen des Jubiläums stehen sollten, seien nun schon vorbei, die ursprünglich geplante Festwoche abgesagt, bedauert Bürgermeister Ralf Orth.

Die Ersterwähnung wolle die Gemeinde nun im kleineren Rahmen würdigen und gemeinsam mit der Kirchengemeinde im November feiern. (jce)

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