Die Botschaft der Farben: Richelsdorfer Kirche feiert Jubiläum

Jeder Winkel verziert: 300 Jahre ist es her, dass die Richelsdorfer Kirche im Stil des Bauernbarock bemalt und so in ein besonderes Schmuckstück verwandelt wurde. Fotos: Meyer

Richelsdorf. Bunte Farben, schwingende Muster: Die Richelsdorfer Kirche besticht durch ihre barocken Ausmalung. Diese wird nun 300 Jahre alt - und das wollen die Richelsdorfer gebührend feiern.

Der oder die unbekannten Maler, die mit der Verzierung der Richelsdorfer Kirche beauftragt waren, haben das Innere des Kirchleins in ein einziges großes Bild verwandelt: Wände, Säulen, Decke, Emporen, Bänke - kaum ein Fleck ist unbemalt geblieben. Das 300-jährige Jubiläum der barocken Ausmalung feiert die Kirchengemeinde am Sonntag, 4. September.

Pfarrer Janosz König mag die besondere Atmosphäre der Kirche mit ihren farbenfrohen Malereien. „Da wird das Evangelium schon durch die Farben verkündigt“, sagt er. Obwohl in Elternzeit, hat er in den vergangenen Monaten die Pfarrarchive besucht und eine Festschrift erstellt, die umfangreich und detailliert über das Kirchengebäude und seine besonderen Malereien informiert.

Alles aufeinander abgestimmt

Liebt das Kirchlein auch aufgrund der vielen Farben: Pfarrer Janosz König.

Ein üppiges Rankenwerk mit Blättern und Blüten bildet das Hauptmotiv. Es wolle „nicht in sich selbst wirken, sondern dem Kirchenraum zur besseren Wirkung verhelfen“, erklärt der Pfarrer in der Festschrift. Daneben fallen zahlreiche Bibelsprüche in reich verzierten Frakturbuchstaben ins Auge. Die Emporensäulen sind mit einem filigranen Netzwerk in weißer Farbe geschmückt, das Tonnengewölbe mit Wolken, Sternen und einer strahlenden Sonne. Architektur, Ausstattung und Ausmalung seien aufein-ander abgestimmt, ohne sich einzeln in den Vordergrund zu drängen, findet König: „Diese Vorstellung, die Künste dem Streben nach einem Gesamtkunstwerk unterzuordnen, ist ein sehr wesentliches Merkmal des Barockstils, der in der Kirche zu Richelsdorf bei all ihrer Bescheidenheit einen seiner schönsten Vertreter auf hessischem Boden gefunden hat.“

Ranken, Blätter, Blüten: Dieses Motiv wiederholt sich immer wieder in der Kirche.

Die barocke Umgestaltung der Kirche wurde 1716 auf Initiative von Anna Magdalena von Cornberg vorgenommen. Der 400. Todestag von Philipp Wilhelm, dem Stammvater der von Cornbergs, wird am 4. September auch gefeiert. Anna Magdalena soll für die Umgestaltung der Kirche 100 Taler gestiftet haben.

Bilder wieder freigelegt

Im 19. Jahrhundert wurden die Bilder teilweise übertüncht und erst 1929 wieder freigelegt. In den 1960er-Jahren wurden die Bilder dann nachgezogen. Leider, bedauert König, seien dabei keine historischen Farben verwendet worden.

Festprogramm

Bischof hält Predigt am Sonntag

Das Fest der Kirche in Richelsdorf beginnt am Sonntag, 4. September, um 10 Uhr mit einem Gottesdienst. Bischof Dr. Martin Hein wird die Festpredigt halten. Franziska Deeg an der Orgel, der Männergesangverein und der Chor des evangelischen Frauenkreises werden den Gottesdienst musikalisch begleiten.

Anschließend bieten die Richelsdorfer Vereine Bratwurst und Getränke an. Ab 13 Uhr stellt Pfarrer König die Festschrift vor. Danach besteht die Möglichkeit zur Erkundung der Kirche, unter anderem mit einer Kirchenrallye.

Außerdem wird im Zelt vor der Kirche die Ausstellung „Von gebrochenem Brot und zerbrochenen Bildern“ präsentiert, die danach bis 11. September in der Kirche zu besichtigen ist. Sie widmet sich Landgraf Moritz, der das Grabmal für seinen Halbbruder in der Kirche gestiftet hat.

Vortrag am Donnerstag

Am Donnerstag, 8. September, wird Peter Heidtmann-Unglaube aus dem Landeskirchlichen Archiv um 19 Uhr in der Richelsdorfer Kirche einen Vortrag über die Ausstellung halten. Heidtmann-Unglaube ist der stellvertretende Archivleiter des Landeskirchlichen Archivs Kassel. (zmy)

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