Funkstille bis 2014: Interview zum Stand der Digitaltechnik

Noch hat das alte Funkgerät nicht ausgedient: Kreisbrandinspektor Jürgen Weingarten. Foto: Kai A. Struthoff

Hersfeld-Rotenburg. Eigentlich sollte schon zur Fußball-WM 2006 der Digitalfunk für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben – also Polizei, Feuerwehr, Zoll und Rettungsdienste – eingeführt werden. Doch das Großprojekt kommt nicht so recht voran. Darüber sprach Kai A. Struthoff mit Kreisbrandinspektor Jürgen Weingarten.

Herr Weingarten, in Sachen Digitalfunk herrscht bei uns derzeit ziemliche Funkstille. Wie geht es voran?

Jürgen Weingarten: Die Einführung bis 2006 war schon ein sehr mutiges Ziel. So schnell war die nötige technische Infrastruktur gar nicht fertigzustellen. Allein in Hessen brauchen wir 400 Funkumsetzer, also Sendemasten. Dafür mussten zunächst die geeigneten Standorte ermittelt werden. Derzeit startet die Digitalfunkeinführung in Südhessen. Ende April treffen auch wir uns zu einer „Kick-Off-Veranstaltung“ für unsere Region in Kassel.

Was heißt das konkret?

Weingarten: Zunächst wird eine Koordinierungsgruppe gebildet, danach verschickt das Ministerium die Förderbescheide zur Beschaffung der notwendigen Ausrüstung. Die einzelnen Kommunen können dann aus einem sogenannten Warenkorb ihre Fahrzeuge, Handfunkgeräte und Ausrüstung bestellen. Wir gehen jetzt davon aus, dass der Digitalfunk in unserem Kreis im Jahr 2014 in Betrieb geht.

Bis dahin ist aber noch viel zu tun – oder?

Weingarten: Ein Sprechfunkgerät ist zunächst nur eine kleine Kiste mit einem Chip – so wie ein Handy. Der Chip muss nach unseren Bedürfnissen programmiert werden. Diese Geräte haben bis zu 2000 Funktionen. Es ist die Aufgabe des Kreises, unsere speziellen Anforderungen umzusetzen und zu programmieren. Dafür ist eigens ein Mitarbeiter abgestellt worden, der damit sicher ein Jahr zu tun haben wird. Später ist der Kreis dann auch dafür zuständig, etwaige Störungen zu beheben.

Welche Vorteile hat eigentlich dieser Digitalfunk. Warum nimmt man nicht einfach ein Handy?

Weingarten: Das hat natürlich zum einen Sicherheitsgründe. Bisher hatten wir streng getrennte Funknetze der Sicherheitsbehörden. Künftig gibt es nur noch ein Netz, das viel leistungsfähiger sein wird. Zudem können wir jetzt digitale Daten übertragen. Das ist vor allem für die Rettungsdienste wichtig, die beispielsweise diagnostische Daten übertragen können.

Was kostet der Digitalfunk unseren Kreis?

Weingarten: Unsere 20 Kommunen im Landkreis müssen für die Digitalfunkeinführung durchschnittlich jeweils 200 000 Euro aufbringen – je nach Größe und Einsatzgebiet. Dafür gibt es aber einen 30-prozentigen Zuschuss vom Land. Außerdem haben die Kommunen natürlich bereits Rücklagen gebildet. Ein Vorteil der langen Vorlaufzeit ist übrigens auch, dass die Geräte inzwischen sehr viel billiger geworden sind, manche um bis zu 50 Prozent.

Wie läuft es denn unterdessen hier im Kreis mit den Schulungen der Freiwilligen Feuerwehrleute?

Weingarten: Allein in Hessen müssen 62 286 Teilnehmer in 3265 Kursen à acht Stunden ausgebildet werden. Außerdem müssen rund 16 000 Führungskräfte in zusätzlichen vier-stündigen Kursen weitergeschult werden. Allein bei uns im Kreis müssen etwa 2000 Feuerwehrleute geschult werden. Wir rechnen daher im Moment mit 100 Kursen mit 800 Stunden. Das ist eine Herkules-Aufgabe, zumal fast alle Teilnehmer Ehrenamtliche sind, die das in ihrer Freizeit leisten müssen.

Gibt es dafür eine finanzielle Entschädigung?

Weingarten: Die Ausbilder bekommen sieben Euro pro Stunde Aufwandsentschädigung, die Teilnehmer sechs Euro. Trotzdem ist die Bereitschaft, an den Schulungen teilzunehmen, groß. Aber alle machen sich natürlich Gedanken darüber, wie man das alles schaffen soll. Ich bin aber optimistisch. Natürlich gibt es jetzt viele neue Fachausdrücke auf englisch und viele Papiere, die durchzuarbeiten sind. Aber trotzdem ist das alles zu kapieren.

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