Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes informierten sich bei Verdi und Beschäftigten

Erneut Streik bei Amazon: DGB-Spitze sichert Unterstützung zu

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Beschäftigte im Ausstand: Bei Amazon in Bad Hersfeld wurde am Mittwoch erneut gestreikt. Unser Bild zeigt Lothar Reinhardt und Jan Christoph Otto (von links) vor dem Logistikzentrum FRA1 am Eichhof. Ihre Schilder beziehen sich auf Amazon-Chef Jeff Bezos.

Bad Hersfeld. Mit Fahnen und Plakaten: Einige hundert Beschäftigte von Amazon in Bad Hersfeld haben am Mittwoch erneut die Arbeit niedergelegt. Zu der Aktion hatte die Gewerkschaft Verdi kurzfristig aufgerufen.

Seit gut drei Jahren kommt es in den beiden Logistikzentren FRA 3 und FRA1 immer wieder zu Arbeitsniederlegungen – mit dem Ziel, einen Tarifvertrag durchzusetzen. Der Onlineversandhändler ist jedoch nach wie vor nicht zu Gesprächen bereit (wir berichten regelmäßig).

Von insgesamt etwa 60 Streiktagen im vergangenen Jahr berichtete Verdi-Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke. Nun wolle man „fokussierter“ streiken.

Ein Bild vor Ort machen wollten sich gestern auch der Bundesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, die Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Gabriele Kailing, und der stellvertretende Vorsitzende Sandro Witt. Die drei machten im Rahmen ihrer Sommertour Station, die unter dem Motto „Offensive Mitbestimmung“ steht.

„Wir wollen das Thema in die gesellschaftliche und politische Diskussion tragen“, hatte Kailing bei einem kurzen Pressegespräch am Morgen gesagt. Das Argument, dass Unternehmen ohne Tarifbindung wettbewerbsfähiger seien, wollte Kailing nicht gelten lassen. Es gebe sehr wohl andere Beispiele. Wobei Tarifverträge ohnehin nur Mindeststandards vorgäben. Beunruhigt äußerten sich die DGB-Vertreter zu Krankenständen von 15 bis 25 Prozent. „Das bringt den Unternehmen unter dem Strich nichts.“ Dass Unternehmen, die sich nicht an die Standards halten, vom Staat mitunter finanziell gefördert würden, bezeichnete Kailing als „absoluten Skandal“.

Bei der Streikversammlung am Mittag vor dem Logistikzentrum FRA1/Eichhof sicherten Hoffmann und Krailing den Teilnehmern Solidarität und Unterstützung zu. „Es geht nicht, dass die Betriebsleitung von sozialer Verantwortung spricht, aber anders handelt“, kritisierte Hoffmann. Auch das Thema Niedriglohn und Rente sprach er an.

Zu den Amazoniern, mit denen sich die DGB-Spitze austauschte, gehörte auch Jens Brumma, der gelernter Einzelhandelskaufmann ist. Für ihn sei Amazon kein typischer Logistiker, sein jetziger Job unterscheide sich nicht viel von seinem früheren. Dass es bei anderen Arbeitgebern noch schlechter sei, ist für Brumma kein Grund zum Stillhalten: „Man kann immer für eine bessere Position kämpfen“, so Brumma, der gerne wieder in seinem ursprünglichen Job arbeiten würde, doch in der Umgebung keine Stelle finde.

Auf das Lieferversprechen haben die Streiks keine Auswirkungen, teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Für die Streikenden sind solche Statements indes nicht mehr als taktisches Kalkül. Derzeit laufen bei Amazon die Planungen für das Weihnachtsgeschäft, für das bundesweit 13 000 Saisonkräfte eingestellt werden sollen. (nm)

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