Gedenkfeier zum 17. Juni

Grenzgemeinden gedachten bei Philippsthal der Opfer des Volksaufstandes in der DDR

Erinnerung an den Volksaufstand in der DDR: Als die Bergmannskapelle Hattorf zum Abschluss der Gedenkfeier auf dem Philippsthaler Siechenberg die Nationalhymne spielte, erhoben sich die Gäste von ihren Plätzen. Ansprachen hielten (kleines Bild, von links) Philippsthals Bürgermeister Ralf Ort, Olaf Ditzel und Pfarrerin Rita Stückrad-Frisch. Fotos: Eisenberg
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Erinnerung an den Volksaufstand in der DDR: Als die Bergmannskapelle Hattorf zum Abschluss der Gedenkfeier auf dem Philippsthaler Siechenberg die Nationalhymne spielte, erhoben sich die Gäste von ihren Plätzen.  Fotos: Eisenberg

Philippsthal. Bewohner der umliegenden Orte in Hessen und Thüringen haben am Dienstag an der Altherrenhütte auf dem Philippsthaler Siechenberg der Opfer Volksaufstandes in der DDR vom 17. Juni 1953 gedacht.

„Der 17. Juni war ein furchtbarer Tag. Gerade erst vier Jahre existierte die DDR, als das SED-Regime schon seine erste Bankrotterklärung ablieferte“, sagte Philippsthals Bürgermeister Ralf Orth in seiner Ansprache. Der Protest gegen die Erhöhung der Arbeitsnormen und den „beschleunigten Ausbau des Sozialismus“ – die SED hatte in ihrem Programm die Widervereinigung abgelehnt – war von der Roten Armee blutig niedergeschlagen worden. In der Bundesrepublik war der 17. Juni fortan als Tag deutschen Einheit begangen worden. Gedenkfeiern hatten seit 1954 auch auf dem Philippsthaler Siechenberg stattgefunden.

An diese Kundgebungen, teils mit bekannten Politikern, hatte sich die Philippsthaler Pfarrerin Rita Stückrad-Frisch erinnert und die Anregung zur Gedenkstunde gegeben. Seit der Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober gefeiert werde, seien die Geschehnisse des 17. Junis aus den Köpfen verschwunden, merkte die Pfarrerin an. „Dieses Stück Erde in Thüringen und Hessen ist unsere gemeinsame Heimat. Dass das so bleibt, dafür lohnt es sich zu beten und einzutreten“, verdeutlichte Stückrad-Frisch, dass Frieden und Freiheit keine Selbstverständlichkeit seien. Aus der Perspektive der Bewohner von Vacha berichtete der Vorsitzende des dortigen Heimat- und Geschichtsvereins, Olaf, Ditzel. Die Staatsorgane seien stets in Alarmbereitschaft gewesen, weil Mahnfeuer und durch Lautsprecher übertragene Reden den Anlass, der in der DDR nicht offiziell thematisiert wurde, ins Gedächtnis riefen.

Hinter Gardinen gelauscht

Als vom Siechenberg die Stimme Helmut Kohls über Vacha geschallt sei, hätten die Bürger hinter den Gardinen gelauscht, sich jedoch aus Angst vor Repressalien nicht auf die Straße getraut. Zu den Gästen an der Altherrenhütte zählten die Bürgermeister Martin Müller (Vacha), Roland Ernst (Unterbreizbach), Ingo Jendrusiak (Krayenberggemeinde) sowie der CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung, an deren Ende die Nationalhümne erklang, von der Bergmannskapelle Hattorf unter Leitung von Gerald Eichler. Sie war Teil Veranstaltungsreihe der Grenzegemeinden an Werra und Ulster, die mit der zentralen Gedenkfeier der Länder Hessen und Thüringen am 9. November in Philippsthal und Vacha ihren Höhepunkt finden. (jce)

Gedenkfeier zum 17. Juni auf dem Siechenberg bei Philippsthal

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