Fehlende Nachfolger auf dem Land

Gastwirte im Kreis stehen wegen starker Konkurrenz unter Druck

Hersfeld-Rotenburg. Alter Ratskeller und Genussreich in Bad Hersfeld, das Gasthaus Goldener Löwe oder Haus Heienbach-Ruh in Rotenburg: So manches voll eingerichtete Lokal steht leer. Steckt die Gastronomie in unserem Kreis in einer Krise? „So dramatisch ist die Lage nicht“, sagt Karl Asbach, der als Gebietsrepräsentant der Radeberger-Gruppe zahlreiche Gaststätten verpachtet. Leugnen könne man allerdings nicht, dass Wirte vor Herausforderungen stehen.

Vor allem ländliche Regionen hätten zunehmend zu kämpfen, da es die typische Gastronomen-Großfamilie kaum noch gibt. Lokale stünden irgendwann leer, weil es ihnen an Nachfolgern fehlte. Auch kleine Städte wie Rotenburg hätten schon einige Gaststätten verloren. Mit einem guten Konzept, so ist er überzeugt, könne man jedoch nach wie vor auch auf dem Land erfolgreich sein.

In Städten mit größerem Kundenpotenzial wie Bad Hersfeld sieht die Situation ein wenig anders aus. Immobilien-Anfragen von Wirten seien ausreichend vorhanden, doch Gastronomie sei kein leichtes Geschäft. Etliche behördliche Auflagen seien zu erfüllen, zudem mangele es häufig an Personal. „Die Logistiker vor Ort nehmen uns die Arbeitskräfte weg“, erklärt Asbach und verweist auf bessere Bezahlung und attraktivere Arbeitszeiten.

Insbesondere mittags hat sich darüber hinaus die wachsende „externe“ Konkurrenz zum Problem entwickelt. „Wir haben klar den Trend, dass Bäcker, Metzger und sogar Supermärkte einen Mittagstisch anbieten. Das ist ein Problem, denn die können natürlich anders kalkulieren“, sagt Hanns-Karl Madelung, der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Waldhessen. Ärgerlich sei in diesem Zusammenhang die unterschiedliche Mehrwert-Besteuerung: „Wir kämpfen seit Jahren für eine Gleichbesteuerung, zahlen aber immer noch 19 Prozent, der Einzelhandel dagegen nur sieben.“

Von Kristina Marth

Rubriklistenbild: © picture-alliance / dpa

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