Angeklagter ignoriert Zeugenaussagen

Gericht vertagte sich: Sturkopf und Messerheld

Bad Hersfeld. Erst nahm Verteidiger Christian Kusche seinen Mandanten ins Gebet, dann redete Richterin Michaela Kilian-Bock mit Engelszungen auf den Angeklagten ein – doch es half nichts.

Der junge Mann aus Heringen blieb stur dabei, erst nach einer heftigen Beleidigung zum Messer gegriffen zu haben und wollte nachher auch von der Polizei zu despektierlichen Äußerungen provoziert worden sein.

Die Anklage von Staatsanwältin Christina Dern sprach freilich eine andere Sprache: Demnach war es der unter Alkohol und Drogen stehende Versandmitarbeiter, der am späten Abend des 13. September 2014 als Erster aggressiv geworden war.

Ort des Geschehens war der Friedrich-Ebert-Platz in Heringen, wo sich gegen 23 Uhr eine Gruppe von mehreren Jugendlichen aufhielt. Der spätere Angeklagte kam mit zwei Kumpanen hinzu, sprach mit einem Jugendlichen über ein Mädchen, das den Freund gewechselt hatte und machte offenbar einen heute 17-Jährigen dafür verantwortlich.

Diesen bedrohte er laut Anklage mit einem Jagdmesser. Dessen 17 Zentimeter lange Klinge setzte er dem Jugendlichen an die Kehle, zog ihm an den Kopf zurück und sagte: „Ich schlitz Dir die Kehle auf!“ Anschließend führte er mehrere Stichbewegungen aus und fügte dem Geschädigten dann eine oberflächliche Schnittwunde am Arm zu.

Diesen Ablauf bestätigten in den Grundzügen auch zwei Zeugen aus der Jugendgruppe.

Nachdem der Messerheld von ihm abgelassen hatte, suchten der Verletzte und seine Freunde Hilfe beim nahegelegenen Feuerwehrhaus. Dort befand sich ein Bundespolizist, der sofort die Verfolgung des Verdächtigen aufnahm. Als er ihn auf der Werrabrücke stellen und festnehmen konnte, hagelte es Beleidigungen, von denen „Bullenschwein“ noch eine der harmloseren war.

Auch hier kehrte der Angeklagte das Geschehen um: Erst nachdem er als „Scheiß-Ausländer“ beschimpft und mit einem Sturz in den Fluss bedroht worden sei, habe er den Polizisten beleidigt.

So wenig glaubhaft wie die Einlassung des 21-Jährigen war, so gab es in der Gesamtschau des nächtlichen Geschehens doch noch einige Lücken, die ohne weitere Zeugen nicht zu schließen waren.

Das Jugendschöffengericht musste sich deshalb vertagen. Der Prozess wird nun am kommenden Freitag, 29. April, ab neun Uhr fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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